101 Köpfe, Folge 100: Christoph Grießer

Banker ohne Klischee?

Christoph Grießer, Sprecher der Geschäftsführung Deutsche Bank Augsburg. Foto: Rebecca Weingarten/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Christoph Grießer ist das Gesicht der Deutschen Bank Augsburg. Im 101 Köpfe-Interview verrrät er, was für ihn den Mittelstand ausmacht, wie Augsburg für ihn im Städtevergleich mit Ulm und München abschneidet und wie sich die Deutsche Bank in einem schwierigen Marktumfeld behaupten will.

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Name: Christoph Grießer

Alter: 44

Position: Sprecher der Geschäftsleitung Augsburg

Unternehmen: Deutsche Bank

Hobbies: Theater, Kochen, Musik, Bergsteigen, Radfahren, Lesen, Familie

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B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Grießer, Sie sind Sprecher der Geschäftsführung der Deutschen Bank Augsburg. Welche Strategie verfolgen Sie? Machen Sie etwas grundsätzlich anders als andere vor Ihnen?

Christoph Grießer: Sicher werde ich nicht alles anders machen  – ich habe hier in Augsburg ein exzellentes Team „geerbt“. Aber es bewegt sich gerade unglaublich viel im ganzen Bankenumfeld. Als Beispiel fallen mir hier die extrem niedrigen Zinsen oder die immer schneller voranschreitende Digitalisierung ein. Dies eröffnet im Privatkundengeschäft immer neue Möglichkeiten.

Sehen Sie sich beispielsweise das Firmenkunden-Geschäft an: Der digitale Wandel verändert nicht nur die Beziehung zu unseren Kunden und unsere Angebote, sondern auch den Arbeits-Alltag der Berater. Unser Ziel muss es sein, als nachhaltiger und verlässlicher Partner in einem schwierigen Umfeld Vertrauen zurückzugewinnen.

Was ist für die Deutsche Bank eigentlich Mittelstand?

Rein nach Zahlen gesehen, reicht bei uns der Mittelstand von etwa 2,5 Millionen bis rund 250 Millionen Euro Jahres-Umsatz. Daneben sind auch Geschäfts-Kunden und wirtschaftlich Selbständige eine wichtige Säule unseres Firmenkunden-Geschäfts.

Mir kommt es jedoch weniger auf Umsatz-Grenzen als auf die Komplexität des Geschäfts-Modells an. Für mich ist ein mittelständischer Firmenkunde ein Unternehmen mit einem ganz individuellen Geschäfts-Modell. Das muss ich als Bank im Detail verstehen, um dann bedarfsgerechte Lösungen aufzuzeigen.

Sie waren beruflich lange Jahre in München und in Ulm und sind seit wenigen Monaten in Augsburg tätig. Wie schneidet Augsburg im Städtevergleich ab?

Im direkten Vergleich ist Augsburg für mich ganz klar Favorit, weil die Stadt viele Vorteile von München und Ulm vereint: Deutlich Größer als Ulm, mit vielfältigem kulturellen Angebot, wirtschaftlich stark mit vielen Potenzialen für die Zukunft und dabei bodenständig und sympathisch.

Wie gut kennen Sie sich inzwischen in Augsburg aus?

Nachdem ich bereits von 2003 bis 2006 für die Deutsche Bank in Augsburg gearbeitet habe, konnte ich auf einer sehr guten Basis aufbauen. So sind mir natürlich viele Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten gut bekannt. Viele Kunden kenne ich bereits seit Jahren.

Dennoch gibt es immer wieder Neues und auch Überraschendes zu entdecken. Die Stadt hat sich in den letzten zehn Jahren extrem positiv weiterentwickelt. Besonders schön finde ich den Damenhof, der nach einem anstrengenden Arbeitstag mit seinem besonderen Flair den Tag vergessen lässt.

Sie kommen ursprünglich aus der Nähe von Rosenheim. Vermissen Sie die Berge?

Jede Region hat ihre eigenen Besonderheiten und wir genießen den Luxus, dass es in Bayern überall schön ist. Die Berge – mittlerweile die Allgäuer – sind mir weiterhin wichtig. Das vielfältige Freizeitangebot in und um Augsburg bietet aber tolle Alternativen. 

Sie wohnen im Landkreis Günzburg. Was hat Sie dort hingezogen?

Das persönliche Glück, den Menschen fürs Leben dort gefunden zu haben.

Banken bekommen in den heutigen, turbulenten Zeiten nicht immer nur gute Presse. Wie geht man mit negativen Schlagzeilen am besten um?

Natürlich sind wir in sehr intensiven Gesprächen mit unseren Kunden in allen Geschäftsbereichen – und sind gefordert, vieles zu erklären. Doch höre ich gerade von unseren mittelständischen Kunden häufig: Seht zu, dass ihr wieder auf die Beine kommt. Wir brauchen eine starke Bank, die uns global und innerhalb Deutschlands vertreten kann. Und die Akzeptanz und Zufriedenheit unserer Kunden in Augsburg und der Region liegen mir und all meinen Kollegen sehr am Herzen. Gerade in den vergangenen Monaten bekamen und bekommen wir durch viele neue Anlagegelder das Vertrauen in uns auch erneut untermauert.

Sie sind bekennender Fan des FC Bayern München. Fiebern Sie trotzdem mit dem FC Augsburg mit?

Meine langjährige Sympathie für den FC Bayern München hält mich nicht davon ab, fest die Daumen zu drücken, dass der FCA auch in Zukunft erstklassig bleibt. Der Verein ist ein echt tolles Aushänge-Schild für unsere Stadt und die ganze Region.

Welches Klischee über Banker trifft auf Sie definitiv zu?

Ich bin nicht der Typ, der an Klischees glaubt, auch wenn ich täglich einen Anzug trage. 

Wofür haben Sie als Kind Ihr Taschengeld gespart?

Für alle Arten von Sport-Utensilien, insbesondere Fahrräder.

Ganz spontan in 30 Sekunden: Drei tolle Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben?

Es gibt so viele wunderbare Menschen, die durch große und kleine Dinge viel bewegen und Bayerisch-Schwaben so stark und liebenswert machen. Vor allem aber bewundere ich Menschen, die dies im Ehrenamt tun und dabei keinen Wert darauf legen, in den Vordergrund zu treten.

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