101 Köpfe, Folge 105

Alfons Zeller: Der Abenteurer vom Grünten

Alfons Zeller. Foto: Privat
Alfons Zeller im 101 Köpfe-Interview: Der Staatssekretär a.D. und Vater von Augsburgs Bürgermeisterin Eva Weber verrät, welches Schlüsselerlebnis ihn dazu bewegt hat, in die Politik zu gehen, welche Abenteuer er mit seiner Heimat verbindet und wie er zu Wolfsansiedlungen im Allgäu steht.

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Name: Alfons Zeller

Alter: 72

Position: Staatssekretär a.D., Präsident der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft der Bergbauern, Vorsitzender der Kulturgemeinschaft Oberallgäu

Hobbies: Arbeiten, Gartenarbeit, handwerkliche Tätigkeiten, Wandern, Theater, Oper, klassische Musik

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B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Zeller, wenn Sie nicht im Allgäu wohnen würden: An welchem anderen Ort könnten Sie sich zuhause fühlen?

Alfons Zeller: Wer einen Familienstammbaum hat, der bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht, der kann sich eigentlich nur in der geschichtsträchtigen Grüntengemeinde Burgberg wohlfühlen. Als Schweiz-Fan könnte ich mir aber auch ein Leben in Pontresina oder Ascona vorstellen.

Was bedeutet für Sie Heimat?

Heimat ist Landschaft, Natur, Nachbarn, gemeindliches und kirchliches Leben, Freunde und Traditionen. Aber Heimat ist für mich auch, wo Einkommen und Fortkommen gesichert sind.

Ihr „Hausberg“ ist der Grünten, einer der bekanntesten Berge des Allgäus. Welche Geschichte verbinden Sie mit dem „Wächter des Allgäus“?

Als Schüler waren der Grünten und die darum liegenden Hügel der Freizeittummelplatz Nummer 1. Vom Rodeln und Skifahren bis Skispringen war alles in Burgberg geboten. Räuber und Schandi-Spielen, im Wustbachtobel und in der Bachtel (Dorfbach) sowie in den Erzberghöhlen – und unsere Eltern ließen uns Natur und Abenteuer ohne große Ängste erleben.

Früher waren Sie als Banker und als Landwirt tätig. Warum folgte dann doch der Schritt in die Politik?

Mein Vater war Vorsteher einer dörflichen Genossenschaftsbank und einer Molkereigenossenschaft. Das brachte es mit sich, dass Landwirtschaftspolitik und die Zukunft von kleinen Bergbauernbetrieben Gesprächsthemen waren. Politik war stets präsent auf dem „Zeller-Hof". Als 1968 die Rote Armee das kleine, wärmende Feuer der demokratischen Entwicklung in der CSSR mit Panzergewalt auslöschte, war dies meine Entscheidung, Mitglied bei der CSU zu werden, nach dem Motto: „Wir dürfen die Zukunft nicht anderen überlassen".

Wie haben sich die Politik und ihre Rolle in der Gesellschaft verändert?

Der Politiker war früher deutlich besser integriert. Es gab in meinem Stimmkreis kaum eine Veranstaltung, zu der ich nicht eingeladen wurde. Vereine, Unternehmen und Institutionen waren bedacht darauf, auch den Politiker unter sich zu wissen. Damit kam dieser direkt und zwanglos mit den Menschen ins Gespräch – als praktizierte Bürgernähe. Politische Entscheidungen müssen erklärt werden; es darf nicht „nach dem Munde" geredet werden.

Was war der denkwürdigste Moment Ihrer politischen Karriere?

Meine unerwartete Berufung von Ministerpräsident Franz Josef Strauß zum bayerischen Staatssekretär für Wirtschaft und Verkehr und vor allem der Mauerfall 1989, der zur Wiedervereinigung unseres Vaterlandes führte.

Ihre Tochter Eva Weber ist als Augsburgs Zweite Bürgermeisterin ebenfalls politisch aktiv. Wird Zuhause über Politik geredet oder ist das Thema bei Familienfeiern ein Tabu?

Natürlich ist Politik im Hause Zeller nicht tabu. Je nachdem, was auf der aktuellen politischen Bühne los ist, sind entsprechend auch die Themen präsent. Aber es gibt auch Familientreffen, bei denen kaum ein Wort über Politik verloren wird.

Wie stehen Sie dazu, dass im Allgäu zuletzt immer wieder Wölfe gesehen wurden?

Als Präsident der Bayerischen Bergbauern ist es mein Bestreben, das Einkommen und Fortkommen von Bergbauernfamilien zu sichern. Die Bergbauerndörfer gehören zum Bild Bayerns. Mit der Ansiedlung des Wolfes und der Entwicklung von Wolfsrudeln wäre die Berglandwirtschaft absolut gefährdet. Es ist einfach nicht möglich, hunderte von Hektar Alpweideflächen mit wolfssichernden Zäunen abzuriegeln. Dies wäre auch ein starker Einschnitt des Zutritts zur freien Natur, wie es die Bayerische Verfassung für die Menschen vorsieht. Auch Hütehunde gefährden nachweisbar den Tourismus im alpinen Bereich. Die entscheidende Frage ist: Wolf oder Bergbauern. Den Erhalt unserer Bergwelt mit der mitunter höchsten Biodiversität dürfen wir durch Wolfsansiedlungen nicht gefährden.

Als Ehrenvorsitzender des Tourismusverbands: Was bewegt diesen für das Allgäu so wichtigen Wirtschaftszweig?

Der Tourismus im Allgäu ist auf einem sehr hohen Niveau. Die umfangreichen Investitionen bei Hotels, Freizeiteinrichtungen und in der Angebotsdarstellung zeigen Erfolg. Jetzt geht es darum, das schon Erreichte immer wieder den Entwicklungen anzupassen. Die weltweiten Mitbewerber bestimmen den Markt. Dem muss sich das Allgäu tagtäglich stellen.

Ganz spontan in 30 Sekunden: Drei tolle Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben?

Anton Jaumann, Bayerischer  Staatsminister für Wirtschaft und Verkehr von 1970-1988, als Vater der erfolgreichen bayerischen Mittelstandsförderung und Initiator vieler Infrastrukturmaßnahmen, die Bayern an die wirtschaftliche Spitze der Bundesländer brachte.

Dr. Anton Losinger, Weihbischof Diözese Augsburg und Mitglied des nationalen Ethikrates und des deutschen Ethikrates.

Ing. Augustin Kröll, Geschäftsführer Fellhornbahn GmbH, Vorstand Kleinwalsertaler Bergbahn AG: Wie kein anderer hat Augustin Kröll mehr als drei Jahrzehnte den Tourismus im Allgäu durch Ideen und Engagement erfolgreich beeinflusst. Das Gespür, zukunftsorientierte Investitionen naturverträglich in Einklang zu bringen, war eine seiner herausragenden Fähigkeiten. Auch die Unterstützung der Bergbauern war ihm wichtig.

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