Interview: Neu-Ulm will Kreisfreiheit beantragen

„Landrat Thorsten Freudenberger, was halten Sie vom ‚Nuxit‘?“

Landrat Thorsten Freudenberger. Foto: Landratsamt Neu-Ulm
Die Stadt Neu-Ulm will kreisfrei werden. Der erste Schritt dafür ist getan. Im Landratsamt fasst man diese Entscheidung mit Verständnis und Wehmut auf. Trennt sich die Stadt nun wirklich, wird der Landkreis wohl auch umbenannt.

Der sogenannte Nuxit – zusammengesetzt aus dem Kfz-Zeichen NU für Neu-Ulm und angelehnt an den Brexit – soll beantragt werden. Das hatte der Stadtrat vergangene Woche in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause beschlossen. Nun erstellt die Verwaltung in Abstimmung mit dem Freistaat einen Antrag auf Erklärung der Kreisfreiheit der Stadt Neu-Ulm. Landrat Thorsten Freudenberger reagiert mit Verständins und Wehmut.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Freudenberger, was halten Sie vom „Nuxit“?

Thorsten Freudenberger: Die Stadt Neu-Ulm kann formalrechtlich seit 2008 die Kreisfreiheit beantragen. Die Stadt ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen und beabsichtigt nun, einen Antrag zu stellen, um kreisfrei zu werden. Dies ist ihr Recht, welches wir seitens des Landkreises respektieren. Dass nach 45 erfolgreichen gemeinsamen Jahren bei allem Verständnis für eine Trennung auch Wehmut und Bedauern mitschwingen, ist klar. Wichtig ist: Egal in welcher Konstellation – die Region hat beste Zukunftschancen, die wir gemeinsam nutzen wollen.

Wie wirkt sich dieser Schritt auf die Stadt und den Landkreis aus?

Beide – sowohl eine künftig kreisfreie Stadt als auch ein neuer Landkreis – müssen sich neu sortieren. Die genauen Auswirkungen im rechtlichen, finanziellen und politischen Bereich müssen nun erst untersucht werden. Da wir über mehr als vier Jahrzehnte zusammengewachsen sind, bedarf es eines gewaltigen Verwaltungsaufwandes, der Zeit brauchen wird und hohe Kosten verursacht.

Welche Konsequenzen wird das Landkreis ziehen, kommt es zum Nuxit?

Der Landkreis mit etwas kleinerer Fläche und dann rund 110.000 Einwohnern wird sich neu aufstellen. Dazu gehört für mich ein neuer Name ebenso wie ein neuer Kreissitz, der im Landkreis liegen muss. Ideen und Vorschläge gibt es schon genug. Scherzhaft gesagt: Die Kreativität ist hier sehr groß, für eine Entscheidung mit neuem Namen, neuem Sitz und neuem Selbstverständnis ist es dann aber doch noch zu früh!

Der Wegfall der Dominanz einer großen Stadt wird aber auch zu mehr Dynamik in den städtischen und ländlichen Bereichen des Landkreises führen. Der neue Landkreis wird traditionsbewusst, bodenständig, zugleich aber auch modern und offen sein fürs digitale Zeitalter und neue Formen der Mobilität.

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