17. Ulmer Gespräche

Ingenics AG: „Digitalisierung und Industrie 4.0 sind Chefsache“

Dr. Jens Nitsche. Foto: Ingenics AG
Im Congress Centrum Ulm genossen am 28. September 2017 rund 250 Gäste sowie zahlreiche Ingenics Mitarbeiter die 17. Ulmer Gespräche zum Thema „Arbeitsorganisation 4.0 – Digitalisierung als Wertschöpfungspotenzial“. Es ginge nicht darum, dass sich etwas verändern wird, sondern wie Unternehmen den Veränderungsprozess positiv managen.

Im Interview mit Moderatorin Stefanie Anhalt (SWR 1) wurde zunächst der thematische Schwerpunkt – Industrie 4.0 und die Folgen für die Arbeitswelt – abgesteckt. Da sich Ingenics seit mehreren Jahren mit dem Thema beschäftigt und dieses schon in den vergangenen drei Jahren die Agenda der Ulmer Gespräche bestimmte, fokussierte man sich 2017 nun auf die Auswirkungen auf die Arbeitsorganisation.

„Versöhnung von Mensch und Maschine“

 „Es geht nicht darum, zu sagen, dass sich hier etwas verändern wird, sondern darum, wie die Unternehmen den Veränderungsprozess erkennen, verstehen und für sich positiv managen können “, so Ingenics CEO Prof. Oliver Herkommer. Leider sei bei den Verantwortlichen vieler Unternehmen die Problematik noch nicht angekommen. Ingenics wolle bei der „Versöhnung von Mensch und Maschine“ helfen.

„Große Unternehmen müssen disrupieren“

Als erster Referent sprach der Zukunftsforscher Dr. Daniel Dettling, Gründer und Geschäftsführer von re:publik, Institut für Zukunftspolitik in Frankfurt am Main und Wien über das „Ende der Arbeit“. Seine These: Nicht die Arbeit endet, sondern die Form der Arbeit verändert sich. Und vor diesem Hintergrund muss sich die Berufsausbildung verändern. „Hierarchische Großorganisationen, in denen immer top-down entschieden wurde, werden sich wandeln müssen“, so Dr. Dettling. Er empfiehlt zur Orientierung, sich mit dem Arbeiten bei Startups oder in „Co-Working Spaces“ zu beschäftigen. „Große Unternehmen müssen disrupieren, also sich selbst radikal infrage stellen können, um neue Freiräume zu schaffen, jede erfolgreiche Organisation muss künftig klein und zugleich groß sein können.“

„Der Mensch wird noch gebraucht“

Als zweiter Referent schlug Prof. Dr.-Ing. Sascha Stowasser, Arbeitswissenschaftler und Direktor des Düsseldorfer Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft ifaa, vor, die Digitalisierung als einen von mehreren Faktoren zu betrachten, die den Wandel der Arbeitswelt treiben. Der These „Fortschritt macht arbeitslos“, wie sie in einer Spiegel-Titelgeschichte schon 1978 prognostiziert worden war, kann er nichts abgewinnen. Gerade durch die zunehmende Variantenvielfalt „wird der Mensch noch gebraucht“, ist Prof. Stowasser überzeugt.

„Flexibles Arbeiten in der digitalen Arbeitswelt 4.0 benötigt eine Unternehmensstrategie, klare Strukturen, verbindliche Regeln, eine technisierte Infrastruktur, neue Kompetenzen für Führungskräfte und Beschäftigte, eine alles umfassende Unternehmenskultur“, fasst Prof. Stowasser zusammen und fordert: „Experimentieren muss erlaubt sein, Schulen müssen sich radikal verändern, Industrie 4.0 ist vor allem Komplexitätsbewältigung, die Geschäftsmodelle müssen neu definiert werden.“

„Digitalisierung und Industrie 4.0 sind Chefsache“

„Sie als Führungskraft treiben den Wandel, nur eine Technologie einzuführen ist nicht die Lösung, das nutzt nur, wenn ich das Ganze im Blick habe, wenn eine Strategie und das Bewusstsein für die Digitalisierung im Unternehmen vorhanden sind“, erklärte auch Dr. Jens Nitsche, Ingenics Partner und Leiter R + D. „Arbeit 4.0 erfordert eine Neubewertung der Rollen über alle Funktionen“, fasste Dr. Nitsche zusammen. „Wir müssen an erster Stelle das Thema Führung in den Blick nehmen, denn der Kopf geht der Bewegung voraus, setzt die Impulse und gestaltet die Rahmenbedingungen sowie die Kultur für die Veränderung. Deshalb sind Digitalisierung und Industrie 4.0 Chefsache.“

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