Nach Insolvenz-Antrag

Kommentar: Millionen-Kredit für Air Berlin ist falsches Signal

Symbolbild. Foto: Andreas Wiese / airberlin
Dass die Bundesregierung Air Berlin mit einem Millionen-Kredit unterstützt, ist falsch. Denn dadurch wird all jenen Fluggesellschaften, die sich aus eigener Kraft halten, der Platz am Markt streitig gemacht.

Am 15. August hat Air Berlin einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Die bereits eingeleitete Restrukturierung soll nun fortgeführt werden. Dabei kann Air Berlin auf gleich mehrere Partner setzen. So laufen Verhandlungen mit der Lufthansa, die Anteile von Air Berlin erwerben will. Auch die Bundesregierung sicherte bereits Hilfe zu – durch einen Brückenkredit in Höhe von 150 Millionen Euro. Dieser soll den Flugbetrieb langfristig aufrechterhalten.

Was zunächst einmal gut klingt, lässt jedoch auch Gegenstimmen laut werden. Scharf kritisiert wird dieses Vorgehen beispielsweise von der irischen Fluggesellschaft Ryanair. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen noch am selben Tag beim deutschen Bundeskartellamt sowie bei der EU-Wettbewerbskommission Beschwerde eingereicht. Der Vorwurf: Die Anteile von Air Berlin würden unter Ausschluss der größten Wettbewerber zerstückelt, die Regeln des Wettbewerbs würden ignoriert. Ryanair geht sogar noch weiter: Die Insolvenz sei künstlich aufgesetzt worden, damit Lufthansa die Fluggesellschaft Air Berlin schuldenfrei übernehmen kann.

Sind diese Vorwürfe wirklich haltbar? Dass die Bundesregierung Air Berlin mit einem Millionen-Kredit unterstützt, ist irgendwo nachvollziehbar. Schließlich geht es neben den zahlreichen Arbeitsplätzen auch darum, den Flugverkehr aufrechtzuerhalten. Gerade jetzt, zur Urlaubs-Spitzenzeit, würde sonst wichtige Infrastruktur wegfallen. Nicht auszudenken wäre außerdem die Wut der Wählerschaft so kurz vor der nächsten Bundestagswahl, sollten wirklich Urlaubsflüge gestrichen werden müssen.

Der Übergangskredit in Höhe von 150 Millionen Euro ist zumindest fragwürdig – selbst wenn man den Beteiligten keinen Komplott unterstellt. Air Berlin ist die zweitgrößte deutsche und siebtgrößte europäische Fluggesellschaft. Eine nicht unerhebliche Umverteilung von Marktanteilen ist durch den Insolvenzantrag in greifbare Nähe gerückt. Dies bekommen vor allem die direkten Konkurrenten zu spüren, wie eben Ryanair.

Dass die Bundesregierung einem so großen Player wie Air Berlin unter die Arme greift, hat weitreichende Folgen. Denn allen Fluggesellschaften, die sich aus eigener Kraft halten, wird so der Platz am Markt streitig gemacht. Dabei sind viele – gerade Ryanair – ein wichtiges Zugpferd für die regionale Infrastruktur – wie zum Beispiel den Allgäu Airport.

Letztendlich geht es darum, welche Motivation hinter dem Millionen-Kredit steckt. Das schlechte Gewissen könnte hier eine Rolle spielen: Denn würde Air Berlin heute so schlecht dastehen, wenn der neue Flughafen rechtzeitig fertiggeworden wäre? Vor diesem Hintergrund wären die 150 Millionen der Bundesregierung nicht mehr als ein Trostpflaster für die Fluggesellschaft. 

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