Hoteldirektorin Beate Bruchmann

Interview: Schloss Lautrach trotzt dem Fachkräftemangel

Beate Bruchmann, Hoteldirektorin Schloss Lautrach. Foto: Orla Connolly
Beate Bruchmann, Hoteldirektorin Schloss Lautrach. Foto: Privat
Gut ausgebildete Fachkräfte werden weniger. Im Interview verrät Hoteldirektorin Beate Bruchmann, wie das Schloss Lautrach sich dieser Herausforderung stellt. Dabei gibt sie Einblicke in auf den ersten Blick ungewöhnliche Methoden, junge Menschen für die Branche zu begeistern.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Frau Bruchmann, ist der Fachkräftemangel in der Branche ein Thema für Sie?

Beate Bruchmann: Ja, wir bekommen den Fachkräftemangel ebenfalls zunehmend zu spüren. Als Beispiel erwähne ich den Mangel an qualifizierten Köchen. Auf Schloss Lautrach achten wir darauf, nur selbst erstellte Vorprodukte zu verkochen. Doch es stimmt uns bedenklich, dass in der Branche allgemein ein Trend hin zu industriell vorgefertigten Lebensmitteln und Gerichten vorherrscht, schlicht um den Mangel an Küchenpersonal auszugleichen.

Wie stellen Sie sich den Herausforderungen?

Wir setzen zum Beispiel im Rahmen von Schulpartnerschaften Azubi-Scouts ein. Dabei gehen unsere Azubis direkt vor Ort in die Schulklassen und stellen ihren Ausbildungsberuf den Schülern vor. Das kommt hervorragend an, weil die Informationen viel lebendiger, authentischer und auf Augenhöhe präsentiert werden als dies bei einer Berufsberatung möglich wäre. In der Ausbildung selbst setzen wir auf hohe Qualität. So haben alle Abteilungsleiter und Stellvertreter die Ausbildereignungs-Prüfung abgelegt.

Hotelleiterin Beate Bruchmann mit einigen Auszubildenden. Foto: Schloss Lautrach

Wie viele Nachwuchskräfte bildet Schloss Lautrach derzeit aus?

Ausgebildet werden derzeit 13 junge Menschen, davon zehn im Bereich Hotelfachmann/-frau, zwei als Koch. Zusätzlich beschäftigen wir derzeit einen Praktikanten.

Wie schaffen Sie es, junge Menschen für die Branche zu begeistern?

Die Ausbildung in der Hotellerie bietet so viele Facetten. Allein der tägliche Umgang mit unterschiedlichsten Menschen trainiert die Kommunikations-Fähigkeit, die Flexibilität und die Toleranz junger Menschen. Es gibt einfach hohes Selbstvertrauen, wenn das Problem eines Gastes bereits in der Ausbildung selbstständig gelöst wird und der Azubi sich sehr bald als Teil des Teams fühlt.

Wir achten auf Schloss Lautrach sehr darauf, dass die jungen Menschen authentisch bleiben. Wir trainieren nicht die Anwendung von Standardfloskeln, sondern versuchen, die Stärken der Azubis individuell zu fördern und diese auch im täglichen Miteinander zur Entfaltung zu bringen.

Dabei gehen wir auch ganz ungewöhnliche Wege. Im vergangenen Jahr sind unsere Azubis zum Beispiel mit dem Fotoapparat durch das Schloss gestreift, haben Details festgehalten und diese im Rahmen eines Kunstworkshops auf die Leinwand gebracht. Die Krönung war, dass die entstandenen Kunstwerke im Rahmen einer Vernissage gemeinsam mit einem Skulpturenkünstler vor 200 Gästen selbst präsentiert wurden. Es gab sehr bewegende Momente.

Auszubildende Lea Haug im Rahmen eines Kunst-Workshops. Foto: Schloss Lautrach

Warum legen Sie einen so großen Wert auf die Persönlichkeitsentwicklung – gerade auch untern dem Aspekt, dass Erfolge hier schwer messbar sind?

Die jungen Menschen sind nach ihrem Schulabschluss mit vielen neuen Herausforderungen, unter anderem der Berufswahl, konfrontiert. Sie sind in vielen Bereichen noch unsicher. Ich denke, die beste Unterstützung, die man einem Menschen in diesem Alter bieten kann ist, ihn in seiner Persönlichkeit zu entwickeln und ihm bei der Suche und Entwicklung seiner Stärken zu helfen. Das dabei entstehende Selbstvertrauen wird ihn sein ganzes Leben begleiten. Obwohl dies vielleicht nicht gleich messbar ist, so bin ich doch der vollen Überzeugung, dass ein selbstbewusster Mitarbeiter einen wesentlich höheren Erfolgsbeitrag leisten kann.

Beim Thema Fachkräftesicherung: Was verspricht aus Ihrer Sicht den meisten Erfolg?

Nach der Ausbildung stehen den jungen Fachkräften viele Möglichkeiten offen. Neben der internationalen Hotellerie suchen auch andere Branchen Mitarbeiter mit den entsprechenden  Qualifikationen. Einer unserer Erfolgsfaktoren ist sicherlich, dass wir zu vielen unserer Auszubildenden und Mitarbeiter eine Bindung aufgebaut haben. Diese beruht darauf, dass wir Mitarbeiter in der Art, wie sie denken, fühlen und handeln, anerkennen und wertschätzen. Zu vielen unserer ehemaligen Azubis haben wir regelmäßig Kontakt und nicht wenige kommen irgendwann nach Schloss Lautrach zurück.

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