Nach dem Antrag auf Insolvenz

Air Berlin stellt Flugbetrieb ein: Was jetzt auf die Passagiere zukommt

Eine Maschine der Fluggesellschaft Air Berlin. Foto: airberlin
Nach dem Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung stellt Air Berlin ab dem 28. Oktober den Flugbetrieb ein. Das müssen Passagiere jetzt wissen.

Vonseiten des Portals für Fluggast-Entschädigungen – AirHelp – heißt es, dass Air Berlin den Flugbetrieb ab dem 28. Oktober einstellen werde. Was betroffene Passagiere nun beachten müssen, erklärt Adrian Kreller, Experte für Fluggastrechte und deutscher Country Manager bei AirHelp.

Diese Passagiere haben Anspruch auf Schadensersatz

„Air Berlin teilte aktuell mit, dass das Unternehmen den eigenen Flugbetrieb ab dem 28. Oktober einstellen werde. Betroffene Passagiere, die ihr Ticket nach dem 15. August gebucht haben, bekommen den vollen Kaufpreis automatisch erstattet. An diesem Tag hat die Airline offiziell Antrag auf Insolvenz gestellt. Wer sein Ticket jedoch vor dem 15. August gebucht hat, geht leer aus. Einzig Reisende, die ihre Flüge als Teil einer Pauschalreise gebucht haben, erhalten einen Ersatz. Entsprechende Reiseanbieter sind nämlich dazu verpflichtet, sich gegen Insolvenzen zu versichern und müssen ihren Kunden in diesem Fall den vollen Kaufpreis erstatten oder für eine Alternativbeförderung sorgen“, so Kreller.

„Eine weitere Option, den Kaufpreis zurückzuerhalten, besteht für Passagiere, die zwar bei Air Berlin direkt gebucht haben, aber als Zahlungsmittel die Kreditkarte genutzt haben. Denn dann besteht die Möglichkeit, belastete Beträge im Konkursfall wieder gutzuschreiben. Dazu muss der jeweiligen Kreditkartenfirma ein Dokument zugeschickt werden, das die erfolglose Geldforderung bei der Fluggesellschaft bescheinigt“, erklärt Kreller weiter.

So geht es mit Air Berlin weiter

Wie es mit der Fluggesellschaft weitergeht, hat der Air Berlin-Aufsichtsrat Ende September besprochen. Hauptthema war der aktuelle Stand der Bietergespräche für den Verkauf des Unternehmens. So werden die Verhandlungen mit der Lufthansa AG und der britischen Fluggesellschaft easyJet bis zum 12. Oktober fortgeführt. Ziel ist die Übernahme von Teilen von Air Berlin. Der Fluggesellschaft liegen von der Lufthansa Angebote für die Tochtergesellschaften Luftverkehrsgesellschaft Walter (LGW), die österreichische Ferienfluggesellschaft NIKI sowie Teile von Air Berlin vor. Ein erfolgreicher Abschluss der Verhandlungen würde eine Perspektive für mehrere tausend Mitarbeiter eröffnen.

Der britische Low-Cost-Carrier easyJet hat ein Angebot zur Übernahme eines Teils der Air Berlin-Flotte abgegeben. Dadurch ergeben sich ebenfalls Perspektiven für neue Arbeitsplätze für die Air Berlin-Mitarbeiter. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Ryanair kritisiert Brückenkredit der Bundesregierung

Mitte August wurde außerdem bekannt, dass die Bundesregierung der Fluggesellschaft mit einem Brückenkredit in Höhe von 150 Millionen Euro unter die Arme greifen will. Dieser sollte den Flugbetrieb langfristig aufrechterhalten. Scharf kritisiert wurde dieses Vorgehen jedoch beispielsweise von der irischen Fluggesellschaft Ryanair. Nach eigenen Angaben hatte das Unternehmen noch am selben Tag beim deutschen Bundeskartellamt sowie bei der EU-Wettbewerbskommission Beschwerde eingereicht. Denn allen Fluggesellschaften, die sich aus eigener Kraft halten, wird so der Platz am Markt streitig gemacht. Dabei sind viele – gerade Ryanair – ein wichtiges Zugpferd für die regionale Infrastruktur – wie zum Beispiel den Allgäu Airport in Memmingen.

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