Lokal handeln, global verändern

Landkreis Lindau verstärkt seine kommunale Entwicklungspolitik

Felicia Afriyie und Michael Remiorz. Foto: Landkreis Lindau
Seit Mai 2017 treibt der Landkreis Lindau entwicklungspolitische Themen auf kommunaler Ebene voran. Das Projekt „Koordination kommunaler Entwicklungspolitik“ ist auf zwei Jahre angesetzt und soll das Beschaffungswesen verantwortungsvoll und fair gestalten.

Die Projektstelle wird zum größten Teil durch Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert. Besetzt wurde sie im Landkreis Lindau mit Michael Remiorz. Die Verantwortlichen des Landkreises sind sich dabei einig: Entwicklungspolitik beginnt direkt vor Ort in den Kommunen.

Mitverantwortung für eine gerechte Entwicklung

„Lokales Handeln wirkt sich auch global aus. So hat vieles von dem, was wir einkaufen, täglich essen oder wie wir mit Energie oder Mobilität umgehen, unmittelbare Auswirkungen auf Menschen in anderen Erdteilen“, so Landrat Elmar Stegmann. Viele Kommunen sehen ihre Mitverantwortung für eine nachhaltige und gerechte Entwicklung. Denn auch sie wirken auf globale Strukturen ein, beispielsweise durch ihre Beschaffungs- oder Energiepolitik. Gleichzeitig erkennen viele Kommunen, dass ungelöste Probleme im Süden zu Problemen hier vor Ort werden: etwa in Form von Flüchtlingsströmen.

Bestandsaufnahme im Landkreis Lindau

Wichtig ist dem Landkreis Lindau eine enge Verzahnung von möglichst vielen Akteuren. Diese sollen ihr Wissen und ihre Erfahrungen einbringen und vermitteln, praktische Unterstützung leisten sowie Lernprozesse anregen. Die bereits vorhandenen Aktivitäten in diesem Bereich sollen gebündelt und ausgebaut werden. Um das Engagement sicht- und erfahrbar zu machen, wird gegenwärtig eine Bestandsaufnahme aller Initiativen im Landkreis Lindau durchgeführt. Das Vorhaben wird von der „Servicestelle Kommunen für die Eine Welt“ unterstützt.

480 Milliarden Euro für Güter, Dienstleistungen und Bauaufträge

Ein zentraler Aspekt der kommunalen Entwicklungspolitik im Landkreis ist weiter, am Beschaffungswesen zu arbeiten. Die Ausgaben der öffentlichen Hand für Güter, Dienstleistungen und Bauaufträge liegen in Deutschland bei circa 480 Milliarden Euro. Davon entfallen gut 60 Prozent auf die Kommunen. Durch das Einfordern von Umwelt- und Sozialstandards können diese die Angebote stark beeinflussen. Dies wirkt sich letztlich auch auf die Arbeitsbedingungen vor Ort und in den Erzeugerländern aus. Die Umstellung auf faire Beschaffung bietet somit eine Möglichkeit, um Aspekte der Nachhaltigkeit in das tägliche Handeln der Kommunen zu integrieren.

Landkreis Lindau und Konstanz arbeiten zusammen

„Die faire Beschaffung endet aber nicht an den Landkreisgrenzen. Sie kann nur funktionieren, wenn wir alle bereit sind, uns stetig weiterzuentwickeln“, so Michael Remiorz. Aus diesem Grund haben sich mit Felicia Afriyie und Michael Remiorz die Koordinatoren kommunaler Entwicklungspolitik aus den Landkreisen Konstanz und Lindau zusammengeschlossen. Zielgruppe sind die Gemeinde- und Landkreisverwaltungen. „Wir verfolgen beide die gleichen Ziele. Da macht es Sinn gemeinsam an Lösungen zu arbeiten“, findet Felicia Afriyie. Die Kommunen der Vierländerregion Bodensee kooperieren bereits in vielen Bereichen, wie etwa im Tourismus oder in der Wirtschaft – nun auch bei der Beschaffung.  

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