Riedberger Horn

Alpenverein: "Skilift am Riedberger Horn gefährdet die ganze Alpenregion"

Auf dem Riedberger Horn. Foto: Erich Keppler  / pixelio.de

Die Diskussion um den Bau einer Skischaukel am Riedberger Horn spitzt sich weiter zu. Die Bayerische Staatsregierung stellt laut Deutschem Alpenverein (DAV) den Alpenplan insgesamt in Frage. Das bedrohe die gesamte Bayerische Alpenregion.

von Iris Zeilnhofer, Online-Redaktion

Die Bayerische Staatsregierung beschloss nun in einer Kabinettssitzung, dass es in den betroffenen Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein eine Bürgerbefragung geben soll. Die Bewohner sollen sich darin für oder gegen den beantragten Bau der neuen Skischaukel am Riedberger Horn aussprechen. Bei entsprechendem Votum will die Regierung die erforderlichen Schritte zur Genehmigung einleiten.

Rentiert sich die Investition?

Ob sich der Bau eines solchen Lifts lohnt, zweifelt der Alpenverein an. Auch wenn sich durch die günstige geografische Lage eine gewisse Schneesicherheit für die kommenden zehn Jahre ergebe, ließe das nicht auf die Besucherzahlen rückschließen. „Wir reden hier von Investitionen zwischen 12 und 15 Millionen Euro“, erklärte Manfred Scheuermann vom DAVRessort Natur- und Umweltschutz. „Es ist fraglich, ob dadurch genug Menschen angelockt werden, damit sich dies rechnet.“

Präzedenzfall-Gefahr durch Sondergenehmigung

„Wir sehen das, was dort gerade passiert, als außerordentlich kritisch“, so Manfred Scheuermann weiter. Dem schloss sich DAV-Vizepräsident Rudolf Erlacher an. „Das kommt einer Abschaffung des Alpenplans gleich“, erklärt er. Der Alpenplan ist ein international angesehenes und seit 44 Jahren bestehendes landesplanerisches Instrument. Er soll eine Übererschließung des Bayerischen Alpenraums verhindern. Die geplanten Maßnahmen würden sich in erheblichem Umfang auf die Zone C des Alpenplans erstrecken – das wären Gebiete, die man gar nicht erschließen dürfe. Sollten diese Pläne trotzdem genehmigt werden, würde ein Präzedenzfall für die gesamten Bayerischen Alpen geschaffen werden, befürchtet der Deutsche Alpenverein.

„Eine Bürgerbefragung ändert daran nichts“

Weiter kritisiert der DAV die Vorgehensweise über einen Bürgerentscheid. DAV-Vizepräsident Rudolf Erlacher bezeichnete diesen als „Nebelkerze“. Die Bürgerbefragung würde „verschleiern, dass sich die Bayerische Staatregierung in eine Klemme manövriert hat“. Rechtlich gebe es keine Grundlage für den Bau der Skischaukel. Sie sei „nach internationalem Recht nicht möglich“, betonte auch Manfred Scheuermann. „Eine Bürgerbefragung ändert daran nichts“, ergänzte Christoph Himmighoffen, Erster Vorsitzender des Vereins zum Schutz der Bergwelt. Dennoch hatte Ministerpräsident Horst Seehofer die Causa Riedberger Horn zur Chefsache erklärt.

Hintergrund: Von diesem Gebiet ist die Rede

Ziel des Skilifts ist es, die Skigebiete Balderschwang und Grasgehren zusammen zu legen. Diese liegen rund 2,2 Kilometer voneinander getrennt. Das Gebiet dazwischen ist unerschlossenen und Scheuermann zufolge „hoch sensibel“. Die geplanten Zonen für Pisten und Lifttrassen liegt nämlich im Bereich einer aktiven Rutschung. Diese ist als „labiles Gebiet“ im Sinne des Bodenprotokolls der Alpenkonvention eingestuft. Das Gebiet ist laut Gefahrenhinweiskarte des Landesamtes für Umweltschutz (LfU) stark erosionsgefährdet.

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