Brooklyn kommt ins Allgäu

Allgäuer Überlandwerk kooperiert mit New Yorker Startup

Günter Mögele ist „Energiepionier aus Wildpoldsried und erster Pilotkunde“ für das Projekt. Foto: AÜW/Christian Ziegler
Das Allgäuer Überlandwerk und das New Yorker Startup LO3 Energy ermöglichen künftig den direkten Stromhandel zwischen Privatpersonen auf Basis der sogenannten Blockchain-Technologie.

Im Energiemarkt der Zukunft werden Haushalte eine wesentlich aktivere Rolle einnehmen als bisher. Der zunehmende Wandel von reinen Stromverbrauchern hin zu Prosumern – also Haushalte, die sowohl Strom verbrauchen als auch selbst produzieren – führt zu einer stärkeren dezentralen Einspeisung von erneuerbaren Energien in niedere Spannungsebenen. Dies ist nur eine von vielen Herausforderungen für Energieversorger und Netzbetreiber.

„Brooklyn Microgrid“ für das Allgäu

Das Startup LO3 aus New York hat hierzu eine Lösung, das „Brooklyn Microgrid“. Es ist eines der meistgenannten Beispiele, wenn es um die Einsatzmöglichkeiten der Blockchain-Technologie in der Praxis geht. Das Beispiel zeigt die digitale Vernetzung von Nutzern zu einem virtuellen Stromnetz, in dem überschüssige Energie von regenerativen Erzeugungsanlagen direkt an andere Teilnehmer in der Nachbarschaft verkauft werden. Die Blockchain bildet die Grundlage für die Vertragsabschlüsse und gilt als besonders fälschungssicher.

Stromhandel für die Privatperson

Das Allgäuer Überlandwerk aus Kempten (AÜW) erforscht nun in einem ersten Projekt mit LO3 Energy die Vorteile der Blockchain-Technologie für den Allgäuer Energiemarkt und die möglichen Einsatzzwecke. Ziel des Projekts ist der Aufbau einer Handelsplattform. Hier sollen Stromerzeuger und -Verbraucher zusammengebracht werden und untereinander – ohne einen dazwischengeschalteten Energieversorger – mit Strom handeln können. Ein Paradigmenwechsel im Energiemarkt, dann statt wie bisher Strom unbekannter Herkunft von nur einem Stromversorger zu beziehen, sollen Haushalte nun aus einer Vielzahl verschiedener Lieferanten selbst wählen können. Gleichermaßen ist es auf Erzeugungsseite denkbar, überschüssig produzierten Strom nicht wie bisher über die EEG Vergütung ins Netz einzuspeisen, sondern lokal an den nächsten Abnehmer zu verkaufen.

Erste Erfahrungen mit dem „Allgäu Microgrid“

„Im ersten Versuch nutzen wir unsere bestehenden Erfahrungen aus dem ‚Allgäu Microgrid‘, welches wir bereits für andere Projekte erfolgreich in Wildpoldsried aufgebaut haben“, erläuterte Michael Lucke, Geschäftsführer AÜW. „Im zweiten Schritt möchten wir den Stromhandel auf unser gesamtes Netzgebiet ausweiten. Denkbar ist dann zum Beispiel, dass ein Landwirt aus Niedersonthofen mit einer großen Photovoltaik-Anlage seinen überschüssigen Strom an einen Mieter in Kempten verkauft, der bis dato keine Möglichkeit hatte, gezielt die regionale Ökostromproduktion zu unterstützen.“

Pilotkunden sollen System testen und bewerten

Für den Aufbau dieser Plattform werden Pilotkunden ausgewählt, die mit einem von LO3 Energy speziell entwickelten Smart Meter ausgestattet werden. Über eine darauf zugeschnittene App wird es den Teilnehmern dann ermöglicht, auf der Plattform untereinander mittels einer sogenannten digitalen Währung Strom zu handeln. Dabei sollen die Pilotkunden Präferenzen angeben können, wie sich ihr Strommix, produziert aus lokalen Erzeugungsanlagen, zusammensetzt.

„Baustein, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern“

„Unserer Meinung nach sind die zentralen Herausforderungen des heutigen Energiemarkts die Dezentralisierung, die Dekarbonisierung und die Digitalisierung. Als innovativer Energieversorger sehen wir die Blockchain-Technologie als einen Baustein, um die Herausforderungen zu meistern“, so Michael Lucke, weiter. Das Vorhaben ist Teil eines dreijährigen Versuchsprojektes, welches im ersten Quartal 2018 starten soll. „LO3 Energy ist stolz, mit AÜW in einer der technologisch am weitesten entwickelten Regionen des deutschen Energiemarktes zusammenzuarbeiten. Die hohe Konzentration an erneuerbarer Energieerzeugung, Batteriespeicher-Systemen und die moderne Netzinfrastruktur machen diese Region für den Test innovativer Energiekonzepte sehr attraktiv“, erklärte Lawrence Orsini, CEO von LO3 Energy.

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