Gesellenbriefe nach drei Jahren Ausbildung

KJF Berufsbildungs-Zentrum bringt erste Flüchtlinge in Arbeit

Saliou Sylla (20) hat jetzt bei der Handwerkskammer die Prüfung zum Fachpraktiker Holz bestanden. Foto: KJF/Martin Beil
Im KJF Berufsbildungs- und Jugendhilfezentrum Sankt Nikolaus haben fünf junge Flüchtlinge nun ihre Gesellen- oder Facharbeiterprüfung abgelegt. Sie alle bestanden vor der Prüfungskommission der Handwerkskammer nachdem sie nicht länger als maximal dreieinhalb Jahre in der Einrichtung lernten.

„Das war kein Selbstläufer, sondern richtig harte Arbeit“, so Konrad Fath, Leiter der Einrichtung. „Aber es geht. Wir können so Flüchtlinge in relativ kurzer Zeit beruflich und damit auch gesellschaftlich integrieren.“ Die Einrichtung hat seit bald hundert Jahren Erfahrung darin, junge Leute mit schlechten Startchancen in Arbeit zu bringen. Das „Dürrlauinger Modell“ profitiert dabei nicht nur vom großen Erfahrungsschatz der Einrichtung sondern auch vom regionalen Netzwerk mit Kontakten zu vielen Unternehmen. „Entscheidend war auch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Jugendamt und Handwerkskammer. Da stand immer das angestrebte Ziel im Mittelpunkt, und so konnte es auch gelingen“, sagt Fath.

18 weitere junge Flüchtlinge in Ausbildung

Die Einrichtung setzt dabei von Anfang an sehr stark auf das praktische Tun. „Das bringt wieder Motivation und beflügelt ungemein. Das Erlernen der Sprache bekam für diese jungen Menschen auf einmal einen viel tieferen Sinn, und dann haben sie sich auch mehr dahintergeklemmt“, berichtet Fath aus der Erfahrung. Zurzeit befinden sich im KJF Berufsbildungs- und Jugendhilfezentrum Sankt Nikolaus 18 weitere junge Flüchtlinge in Ausbildung.

Best Practice Beispiel: Saliou Sylla

Einer der Flüchtlinge ist Saliou Sylla. Er hat die Prüfung als Fachpraktiker Holz abgeschlossen und erwartet in Kürze seine Arbeitserlaubnis, die fehlenden Papiere sind unterwegs. Er wird bei Kathrin Littwin, Geschäftsführerin der Firma Littwin GmbH in Offingen, eine Stelle antreten. Sie bietet ihren Kunden Rolläden und Markisen sowie Garagentore, Türen und Fenster an. Saliou Sylla kennt sie bereits über ein Praktikum. „Er war mit verschiedenen Teams draußen, und alle meine Mitarbeiter haben mir berichtet, dass er fleißig ist und sich engagiert“, berichtet Littwin. In den vergangenen Jahren hatte Littwin große Schwierigkeiten, für ihren Betrieb genügend handwerklich ausgebildete Mitarbeiter zu finden. „Dem Beruf des Handwerkers wurde seitens der Gesellschaft in der Vergangenheit nicht die Wertschätzung zuteil gebracht, die er verdient hätte. Die Folgen hieraus spüren wir nun: Junge Menschen streben lieber eine akademische Laufbahn an, und meiden die handwerkliche Ausbildung.“

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