vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.

vbw zu Gast bei SGL: „Wir brauchen Bewegung in unserem Land“

Rund 80 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik waren der Einladung der vbw zu SGL gefolgt. Foto: vbw

Mit Bildergalerie: Rund 80 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik waren der Einladung der vbw zu SGL gefolgt. In Meitingen wurde über die Zukunft der bayerischen Wirtschaft diskutiert. Dabei wurde klar: Die Region braucht vieles – aber vor allem Veränderungen.

von Rebecca Weingarten, Online-Redaktion

In einem waren sich die Teilnehmer der Diskussionsrunde einig: Der Region ist wirtschaftlich stark aufgestellt – aber es könnte noch besser sein. Nun könnte man meinen, dies sei das übliche Jammern auf hohem Niveau, das den Deutschen so gerne nachgesagt wird. Tatsächlich steckt aber mehr dahinter. „Was Bayern morgen braucht“: Dies war das Motto der vbw-Veranstaltung am 3. Februar 2016 bei SGL. Rund 80 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik nahmen daran teil.

Ist Bayern im internationalen Wettbewerb zukunftsfähig?

Bayern ist heute im internationalen Wettbewerb technologisch führend. Diese positive Ausgangssituation ist jedoch kein Garant für eine erfolgreiche Zukunft. Dr. Michael Böhmer, Chefökonom der Prognos AG, stellte die im Auftrag des vbw durchgeführte Studie seines Unternehmens vor. Dabei wurde deutlich: Die bayerische Wirtschaft konzentriert sich sehr stark auf den Maschinen- und Fahrzeugbau. So weit, so bekannt. Jedoch gibt es in Bayern auch eine enge Vernetzung zwischen Forschung und Produktion. Hier ist der Freistaat viel weiter als die anderen Bundesländer – doch noch immer sind andere Länder wie beispielsweise Irland Spitzenreiter in diesem Gebiet. Die Wettbewerbsfähigkeit regionaler Unternehmen ist also durchaus ausbaufähig.

Beschleuniger, Ermöglicher, Problemlöser: Das sind die Technologiefelder der Zukunft

Dr. Michael Böhmer stellte vier Technologiefelder extra vor. „Die Informations- und Kommunikationstechnologie ist kein neues Feld, aber eines, das rasant wächst. Sie durchdringt alles Lebens- und Arbeitsbereiche. Sie kann auch als ‚der große Beschleuniger‘ angesehen werden.“ Auf den intelligenten Verkehr und die zukünftige Mobilität ging Böhmer ebenfalls ein, nannte die digitale Vernetzung hier den „großen Ermöglicher“. „Auch das Technologiefeld der Werkstoffe und Materialen ist bei Weitem noch nicht ausgereizt. Diesen Bereich könnte man auch ‚den großen Problemlöser‘ nennen. Neue Verbindungen zwischen den Werkstoffen werden immer weiter erforscht. Leider passen die Innovationszyklen und die Investitionszyklen nicht immer zusammen“, so Böhmer weiter.

Bildung bleibt der Schlüssel zu wirtschaftlichem Erfolg für die Region

Auch die Gesundheits- und Medizintechnik sieht Böhmer als große Chance: „Hier wird es immer wichtiger werden, interdisziplinär zusammenzuarbeiten. Es ist entscheidend, dass auch Wissen über die Nachbardisziplin vorhanden ist. Dieses Mehr an Bildung wird sich eine Gesellschaft wie unsere einfach leisten müssen.“

„Fehler müssen möglich sein“

Auf „digitales Know-how“ setzt auch Bertram Brossardt, vbw Hauptgeschäftsführer: „Wir brauchen Bewegung in unserem Land. Wir müssen Begeisterung entfachen, unsere Innovationskraft besser nutzen. Auch Fehler müssen möglich sein.“

Ohne gute Fachkräfte keine wirtschaftliche Zukunft für Bayern

Johannes Hintersberger, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, betonte die Rolle der Fachkräfte: „Ohne diese Menschen geht es nicht. Digitalisierung darf nicht bedeuten: Arbeiten everywhere, everytime.“ Hintersberger will hochqualifizierte Fachkräfte auch mit einer guten Work-Life-Balance und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie überzeugen.

Überregionale Cluster für zukunftsweisende Technologien

Dr. Thilo Hauke, Leiter Konzernforschung SGL Carbon, forderte Cluster, die Bundesländer- oder auch Länderübergreifend sind: „Wir haben wichtige Cluster in der Region, beispielsweise MAI Carbon. Doch Cluster halten sich nicht zwingend an Staatsgrenzen. Wir müssen besser und vor allem auch grenzübergreifend zusammenarbeiten.“

Ist der digitale Wandel in Unternehmen angekommen?

Dr. Norbert Lütke-Entrup aus dem Bereich Corporate Technology der Siemens AG, riet: „Der Rahmen für Innovation wird in Unternehmen gesteckt. Überprüfen Sie Ihre Digitalisierungsstrategie, Ihre Partner, Ihr Unternehmensmodell, Ihre internen Prozesse und überarbeiten Sie diese gegebenenfalls.“

Konkrete Handlungsempfehlungen für Kommunen

Prof. Dr. Erich Wintermantel vom Lehrstuhl für Medizintechnik der Technischen Universität München erklärte: „Augsburg braucht Medizintechnik.“ Gleichzeitig gab er Handlungsempfehlungen für Kommunen ab: „Tun Sie sich mit Ihren Umlandgemeinden zusammen. Sprechen Sie mit einer Stimme. Bauen Sie die Infrastruktur aus, halten Sie junge, gut ausgebildete Leute in der Region.“

Luft- und Raumfahrt spielt für Schwaben eine entscheidende Rolle

Prof. Gerd Hirzinger, ehem. Direktor des Instituts für Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, erklärte: „Die Luft- und Raumfahrt ist eine Schlüsseltechnologie. Sie ist oft Vorreiter in der Entwicklung von Materialien, die auch in anderen Bereichen gebraucht werden.“  Prof. Dr. Michael Zäh vom Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik im iwb der TU München ergänzte: „Gehen Sie auf die Lehrstühle zu, auch als kleinere Unternehmen. Viele arbeiten sehr gerne praxisnah und wollen neue Möglichkeiten voranbringen.“

Die Bilder zur Veranstaltung sehen Sie hier.

„Was Bayern morgen braucht“: vbw diskutiert bei SGL
Rund 80 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik waren der Einladung der vbw zu SGL gefolgt. Foto: vbw
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