Kommentar von Ulrich Pfaffenberger

Strukturplanung in Schwaben: "Überall a bissle was, aber nirgends gscheit"

Symbolbild. Schwaben fehlt es an einer großräumigen und großzügigen Strukturplanung. Bild: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Die bayerisch-schwäbische Strukturpolitik ist weit davon entfernt, eine langfristige Perspektive für unsere Region zu bieten. Klein-klein verdrängt noch immer die große Vision. Dabei gäbe es ein wegweisendes Vorbild, heraus aus dem Schatten der Kirchturmpolitik.

Eigensinn auf kleinster Ebene verhindert strukturelle Verbesserungen im Großen und Ganzen. Das passiert in Unternehmen, das passiert in Familien – und das passiert in den Verwaltungs-Territorien, in denen wir leben und die leider noch immer von Grenzen umgeben sind. Wobei es weniger jene Trennlinien sind, die durch Orts- und Landkreisschilder markiert sind, sondern jene, die es sich in den Köpfen bequem gemacht haben. Sprich: Weil jeder in der Region noch immer am liebsten den eigenen Kirchturm und die eigene Rathaustür poliert, fehlt es für Schwaben bis heute an einer großräumigen und großzügigen Strukturplanung, die für ein paar Generationen taugt.

Ein kleiner Ausritt in die Geschichte, zur Ursachenforschung. Als unsere Familie Mitte der 1970er Jahre samstägliche Ausflüge in die Stauden und Richtung Landsberg unternahmen, staunten wir Kinder jedes Mal Bauklötze über einsam und verlassen in der Gegend stehende Brücken; und dem Vater entfuhr dann gern sein bevorzugtes Kritikwort „So ein Schafscheiß“. Lange bevor die ersten Bagger und Planierraupen für die „B17 neu“ anrollten, hatten nicht Außerirdische mit ihren UFOs diese Mahnmale zukunftsorientierter Verkehrspolitik vom Himmel fallen lassen, sondern sehr Irdische die Gelegenheit genutzt, vorhandenes Geld aus der öffentlichen Hand zu stibitzen.

„Da gibt es Fördermittel? Dann planen und bauen wir doch mal was Hübsches, damit nicht nur die anderen etwas abbekommen“, dröhnten die Subventionsglocken von den Kirchtürmen ihr ewiges Lied. Erde bewegen bringt Segen – das wurde zum Credo kleinteiliger Standortpolitik. Und weil der Segen mit jedem Jahr Wirtschaftswachstum etwas größer wurde, läuteten die Glocken immer lauter und klingelten die Fördermittel immer verlockender. Dabei war es denen in X-Stadt herzlich egal, ob ihr Wachstum den Y-Dörfern geschadet hat, und was die Umgehungsstraße von B in C angerichtet hat, darüber hat sich auch keiner den Kopf zerbrochen.

Das ist, traurigerweise, bis heute so. Weil politisch gewollte Förderung stets den Anstrich von Gleichberechtigung aller haben soll, fallen ihre Kriterien in der Regel sehr generalistisch aus. Darum verströmt sich ihr Nutzen wie die Strahlen einer Gießkanne: Überall a bissle was, aber nirgends gscheit. Denn spätestens dann, wenn ein Projekt genauso umgesetzt wird, wie es ein Ort, eine Region, ein Landstrich, aber vor allem: wie es die Menschen dort wirklich bräuchten, fällt es aus der Förderung. So reiht sich dann Kompromiss an Kompromiss, so paart sich gut gemeint mit recht bemüht.

Was Schwaben jetzt braucht, ist: Zuerst eine klare Vorstellung davon, wie unsere Region in zwei, drei Generationen aussehen soll – auch was das Miteinander mit den Nachbarn in Baden-Württemberg, Oberbayern und Tirol angeht. Dann einen handfesten Plan, was dafür zu tun ist, wann es zu tun ist und wie man es bezahlen will. Das Vorbild dafür, wie so etwas geht, haben wir in den eigenen Reihen: Das Allgäu hat’s in der jüngsten Vergangenheit vorgemacht. Da hat man, dem gemeinsamen Ziel zuliebe, einige (wenn auch noch nicht alle) Vorbehalte gegen die Nachbarschaft überwunden. Am Ende hat’s allen gutgetan. Obwohl sie noch immer schmucke Kirchtürme haben.

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