Industrie- und Handelskammer Schwaben | Handwerkskammer für Schwaben

Schwabens Wirtschaft nach dem Brexit: „Unsicherheit ist Gift“

Dunkle Wolken über London. Foto: Mikael Broms / iStock / thinkstock

Seit Freitag herrscht Klarheit: Die Briten werden die Europäische Union verlassen. Die IHK Schwaben befürchtet Rückschläge für Geschäfte mit dem zweitwichtigstem Exportmarkt Bayerns.

„Als schwarzen und bitteren Tag“ bewertet die IHK Schwaben die Entscheidung Großbritanniens zum Austritt aus der EU. „Mit dem Brexit wird der Europäische Binnenmarkt, Schwabens wichtigster Wirtschaftsraum, deutlich geschwächt mit noch nicht absehbaren Folgen für die Unternehmen. Mit dem EU-Austritt verliert Schwaben die politische Verlässlichkeit eines sehr dynamischen Absatzmarkts“, warnt Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben.

„Die Wirtschaft braucht klare und verlässliche Rahmenbedingungen“

Die Entscheidung der Briten wirkt sich unmittelbar auf die politischen Institutionen der EU aus. Wie die IHK Schwaben es sieht, muss Brüssel sich den neuen Gegebenheiten stellen und seine Funktionsfähigkeit sichern. Dazu gehören auch interne Veränderungsprozesse. Die Industrie- und Handelskammer Schwaben befürchtet einen vielleicht Jahre andauernder Prozess der politischen Unsicherheit. „Die Wirtschaft braucht klare und verlässliche Rahmenbedingungen. Unsicherheit ist Gift“, fürchtet Kopton auch im Hinblick auf weitere Separationsbestrebungen in anderen Mitgliedsstaaten. „Die EU muss jetzt den Zusammenhalt der restlichen Mitgliedsstaaten sichern“, so Kopton weiter.

Exporte könnten schon bald teurer werden

Allein im vergangenen Jahr exportierten die Unternehmen im Freistaat Waren im Wert von 15,5 Milliarden Euro nach Großbritannien. Das entsprach einem Plus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Geschäfte mit diesem wichtigen Auslandsmarkt werden mittelfristig für schwäbische Firmen komplizierter“, erklärte Kopton in einer ersten Einschätzung zum Ausgang des Referendums. Auch wenn der Brexit keine unmittelbaren rechtlichen Veränderungen auslöst: Durch die jetzt zu beobachtenden Währungsturbulenzen werden die Exporte wohl teurer werden.

Brexit spaltet Schwabens Wirtschaft

Laut IHK Schwaben sind die langfristigen wirtschaftlichen Folgen von künftigen Vereinbarungen zwischen der EU und Großbritannien abhängig. Dazu muss Großbritannien nun Handelsverträge weltweit, aber auch mit der EU komplett neu aufsetzen. Die EU-Verträge sehen einen Zeitraum von zwei Jahren vor, um diese neu zu regeln. „In dieser Phase der Unklarheit ist eine Investitionszurückhaltung von beiden Seiten zu erwarten“, unterstreicht Kopton. Die IHK Schwaben hat derzeit über 500 schwäbische Firmen mit regelmäßigen UK-Aktivitäten registriert. Knapp ein Drittel unterhält eine eigene Präsenz vor Ort. Schwerpunkte bilden die Branchen Maschinenbau, Kfz, Infrastruktur sowie Lebensmittel und Logistik. Breits bei einer Umfrage der IHK Schwaben im Vorfeld der Abstimmung wurde deutlich: Das Referendum der Briten spaltet Schwabens Wirtschaft.

Welches Signal geht vom Brexit aus?

Auch die Handwerkskammer für Schwaben sieht das Votum der Briten mit Sorge. Hans-Peter Rauch, Präsident der Handwerkskammer für Schwaben, erklärt: „Das Referendum zum Brexit ist eine Tatsache und hat natürlich für Europa dramatische Folgen. Die Europäische Union wird dadurch geschwächt. Die politischen Auswirkungen sind massiv und erfordern jetzt auch entsprechende Konsequenzen. Deswegen muss seitens der EU klug gehandelt werden, denn es besteht durchaus die Gefahr, dass die Briten versuchen werden, sich bilateral besondere Vorzüge der EU zu sichern. Auch muss energisch einer Signalwirkung des Brexit auf andere EU-Staaten, die ebenfalls mit einem Ausstieg sympathisieren, entgegengesteuert werden.“

Britisches Pfund am Freitag eingebrochen

Ulrich Wagner, der Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben hat die wirtschaftliche Dimension für Schwaben im Blick: „Großbritannien ist zweitgrößter Handelspartner in Bayern und das werden die Unternehmen zu spüren bekommen, denn deutsche Waren werden künftig in UK teurer werden. Das britische Pfund ist ja bereits eingebrochen. Im Handwerk arbeiten viele Firmen, speziell aus dem Metallbereich, als verlängerte Werkbank der Industrie und daher hat ein Ausstieg Großbritanniens aus der EU Folgen in Form von Umsatzeinbrüchen beziehungsweise erschwerter Geschäftsabwicklung.“ Im schwäbischen Handwerk sind rund 6 Prozent der Unternehmen im Auslandsgeschäft tätig.

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