Finanzierungsdruck

Pflegenotstand: Neue Lösung kommt aus Augsburg

Maximilian Perez Mengual, Bruno Ristok, Alexandra Bronnhuber und Peter Jaensch. Foto: I. Walter/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Schwaben als „Care Valley“ etablieren – das ist das langfristige Ziel der Augsburger C&S Computer Software GmbH. Dabei sollen im ersten Schritt die Schnittstellen zwischen Augsburger Kliniken und Kurzzeitpflege-Einrichtungen digitalisiert werden.

Egal, wo verschiedene Unternehmen oder Einrichtungen eng zusammenarbeiten – überall gibt es Schnittstellen, die es zu überwinden gilt. Funktioniert diese Zusammenarbeit nicht optimal, kann es zu Reibungspunkten kommen. In der Sozial- und Gesundheitswirtschaft kann das beispielsweise bedeuten, dass ein Patient, der aus dem Krankenhaus entlassen wurde und in Pflege überführt werden soll, keinen Pflegeplatz bekommt. Genau hier setzt das Projekt der Augsburger C&S Computer und Software GmbH an. Dafür arbeitet C&S eng mit der Fürther Wilhelm-Löhe-Hochschule und dem Fraunhofer-Institut für integrierte Schaltungen IIS, Arbeitsgruppe SCS, mit Sitz in Erlangen zusammen.

Ampelsystem dient als Orientierung

„Es geht darum, die Überleitung aus Augsburger Kliniken in Augsburger Kurzzeitpflege-Einrichtungen als digitalen Prozess umzusetzen. Heute ist es noch so, dass eine Pflegekraft bis zu 50 Einrichtungen anrufen muss, um einen Platz für ihren Patienten zu finden. Unser Projekt zielt darauf ab, genau diesen Vorgang zu digitalisieren. Wir wollen ein System etablieren, das vergleichbar mit Hotelbuchungs-Seiten ist. Anhand eines Ampelsystems erkennen die Pflegekräfte, welche Einrichtungen einen freien Platz haben und können diesen reservieren“, erklärt Bruno Ristok, Geschäftsführer der C&S Computer und Software GmbH.

Digitalisierung eröffnet neue Chancen

In der Konsequenz sparen die Kliniken Zeit und können über die digitale Vernetzung Informationen wie Medikationspläne, Arztbriefe oder benötigte Hilfsmittel strukturiert übermitteln. Auf der anderen Seite sollen auch die Kurzzeitpflege-Einrichtungen von dem Projekt profitieren: Auch in Zeiten nicht so hoher Auslastung kann auf diese Weise die Nachfrage erhöht werden. Durch die strukturierte Informations-Übermittlung soll auch der Prozess der Eingewöhnungsphase in der Pflegeeinrichtung minimiert und optimiert werden.

Streitpunkt Finanzierung

Problematisch an dem Konzept sei jedoch vor allem, dass beide Seiten einer anderen Finanzierungslogik folgen: „Während der Patient im Krankenhaus möglichst schnell erfolgreich behandelt und entlassen werden soll, sind in der Kurzzeitpflege die finanziellen Zuwendungen bei einem Patienten mit hohem Pflegegrad entsprechend höher. Hat eine Pflegeeinrichtung beispielweise die Wahl zwischen einem Dauergast oder einer Kurzzeitpflege, wird sich die Einrichtung für die langfristige Lösung entscheiden“, erklärt Ristok.

„Grund dafür ist, dass sowohl die Aufnahme als auch die Entlassung der Patienten mit hohem finanziellen Aufwand verbunden sind. Entsprechend teuer sind also Patienten, die nur für kurze Zeit einen Pflegeplatz benötigen. Genau an dieser Stelle muss das Konzept austariert werden. Als Lösungen sind hier Zuwendungen seitens der Krankenkassen oder auch politische Unterstützung denkbar“, so Ristok weiter.

Langfristiges Ziel: „Care Valley Schwaben“

Das Projekt „DigitalCare – Teilbereich Schnittstellenoptimierung zwischen Krankenhaus und Kurzzeitpflege“ wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie mit 305.400 Euro gefördert. Im Rahmen des Projekts fungiert Augsburg als Modellregion. Von hier aus soll die skalierbare, cloudbasierte, digitale Infrastruktur für Pflege, Betreuung und Gesundheit auf ganz Schwaben und bundesweit ausgeweitet werden. Langfristig sollen neben Kliniken und Kurzzeitpflege-Einrichtungen auch Pflegedienste, Langzeitpflege oder auch Betreuungsdienste für Kinder digitalisiert werden.

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