Dr. Ralf Held im Interview

„Minenfeld Unternehmenskauf“: So gelingt die Integration

Dr. Ralf Held, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für Post Merger Integration. Foto: Ralf Held
Künstlerin Monika Mendat. Foto: Monika Mendat
Unternehmens-Akquisitionen spielen eine immer größere Rolle – gleichzeitig scheitern viele daran. Wie kann dies verhindert werden? Und was macht den Erfolg eines Unternehmenskaufs aus? Wir haben bei Dr. Ralf Held, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für Post Merger Integration und Leiter des Geschäftsführungsbüros der Mediengruppe Pressedruck, nachgefragt.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wer steckt hinter der Gesellschaft für Post Merger Integration?

Dr. Ralf Held: Die Gesellschaft für Post Merger Integration e.V. versteht sich als Denkfabrik und ist eine gemeinnützige Einrichtung. Sie befasst sich mit Fragestellungen rund um das Thema Unternehmens-Transaktionen und Integrations-Management, kurz Post Merger Integration.

Getragen wird der Verein von seinen Mitgliedern. Diese sind regionale, nationale und internationale Unternehmensvertreter, Beratungshäuser und Experten. Vertreten sind sehr unterschiedliche Branchen wie Energie, Automotive, IT-Technologie, Transportwesen, Rohstoffe, Chemie, Industriegüter, Medien und Gesundheit sowie Dienstleister im Bereich Recht, Personal- und Kommunikationswesen. Bei unserer Arbeit legen wir auf individuelles Expertenwissen großen Wert. Das bringt einen interessanten und breiten Mix an verschiedenen Mitgliedern mit sich, von der Einzelperson bis hin zum DAX-Konzern. Gemeinsam schätze ich unsere Transaktionserfahrung auf einen dreistelligen Milliardenbetrag.

Der Verein will Best-Practice-Standards errichten. Warum ist das wichtig?

Rund die Hälfte der getätigten Unternehmenskäufe erreichen die erwarteten Ziele nicht oder nicht vollständig. Die Konsequenzen reichen von enttäuschenden Geschäftszahlen bis hin zur Bestandsgefährdung des Unternehmens. Und den wenigsten Managern ist dabei bewusst, dass sie bei missglückten Deals in die persönliche Haftung genommen werden könnten. Diese Problematik greift die Gesellschaft für Post Merger Integration auf und sucht gemeinsam mit ihren Mitgliedern nach Lösungsansätzen. So sollen Integrationsrisiken reduziert werden. Daraus Best-Practice-Standards zu entwickeln, ist ein konsequenter Schritt. So wollen wir die Erfolgsquote von Akquisitionen verbessern und verantwortlichen Managern auch Handlungsempfehlungen an die Hand geben.

Wie gehen Sie hier vor?

Wir organisieren für unsere Mitglieder regelmäßig zwei Veranstaltungen im Jahr, im Frühjahr und im Herbst. In der kommenden Veranstaltung am 9. November werden wir zwei Arbeitsgruppentreffen ins Leben rufen, die sich mit den Themen Cultural Integration und Integrationsrisiken & Compliance befassen. Mit diesem neuen Arbeitsformat fangen wir an, Best-Practice-Standards zu entwickeln. Anschließend ist geplant, diese auch einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wenn sich dieses Format bewährt, setzen wir die Arbeit mit weiteren Arbeitsgruppen und Themen fort.

An das Treffen schließt sich eine Abendveranstaltung unter der Überschrift „natural integration“ an. Was ist geplant?

Mit unseren Abendveranstaltungen ermöglichen wir interessierten Managern, unsere Arbeit als Denkfabrik kennenzulernen. Als gemeinnütziger Verein verstehen wir es als Teil unseres Auftrags, unser Wissen sowie unseren Kreis an Denkern stets zu erweitern. In diesem Sinne organisieren wir die Abendveranstaltung am 9. November diesmal gemeinsam mit unserem Mitglied, der Kanzlei Osborne Clarke, und der Künstlerin Monika Mendat als Diskussionsforum und Vernissage. „natural integration“ ist eine spannende Mischung aus Wirtschaft und Kunst, die einen ungewöhnlichen Blickwinkel auf Integrationsthemen zulässt und zu innovativem Denken anregt.

Sie verleihen im Rahmen der Veranstaltung auch einen Award für herausragende wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Post Merger Integration. Welcher Gedanke steckt dahinter?

Das „Unterrichtsfach“ Post Merger Integration lässt sich im deutschsprachigen Raum, soweit ersichtlich, nicht studieren. Daher haben wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema eine große Bedeutung. Sie prüfen und reflektieren eine geübte Praxis, untermauern diese oder stellen sie infrage. Wissenschaftliche Arbeiten sind im besten Sinne ein Spiegel für das praktische Tun in einem Unternehmen. Um ein diesbezügliches Engagement zu fördern, verleiht die Gesellschaft für Post Merger Integration seit 2016 einen Förderpreis für herausragende Leistungen. Dies wird sehr gut angenommen.

Der Verein wächst immer weiter – woher kommt das rege Interesse?

Wir wollen unser Know-how deutlich erweitern und neue Mitglieder zulassen. Das wurde im Markt sehr gut aufgenommen und wir konnten unseren Kreis aktiver Mitglieder bereits verdoppeln. Gerade der Mittelstand zeigt ein hohes Interesse an unseren Themen. Das Thema Akquisition spielt auch im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung eine zunehmende Rolle. All dies sind Themen unserer Denkfabrik.

Mit den Universitäten Münster, Nürtingen, Wien und Innsbruck arbeiten Sie bereits zusammen, nun ist eine tiefere universitäre Kooperation geplant. Warum ist dies so wichtig?

Wir sind dabei, unser universitäres Netzwerk neu auszurichten und wollen es von der losen Zusammenarbeit auf dem Gebiet von Forschungsarbeiten zu einem Wissenschaftskreis ausbauen. Damit fördern wir die Entwicklung von Standards und eine praxis- und wissenschaftsnahe Fortbildung. Mit der Universität Innsbruck machen wir einen ersten Schritt in diese Richtung und vertiefen die inhaltliche Zusammenarbeit.

Wo will die Gesellschaft für Post Merger Integration in zehn Jahren stehen?

Unsere Vision haben wir schon in den Vereinsstatuten festgeschrieben: das Wissen um Post Merger Integration und dessen Anwendung in der Praxis zu fördern und zu verbessern. In diesem Sinne möchte ich in zehn Jahren sehen, dass die Fehlerquote bei Akquisitionen nicht nur bei unseren Mitgliedern deutlich gesunken ist.

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