Stadtwerke Augsburg Holding GmbH

Mega-Tauchsieder für die Energiewende: Stadtwerke Augsburg präsentieren neue Energie-Anlage

swa-Geschäftsführer Dr. Walter Casazza erläutert die Funktionsweise der neuen Power-to-Heat-Anlage. Foto: swa | Thomas Hosemann

Mit Bildergalerie: Der Projektname ist klangvoll. „Power-to-heat“ heißt die neue Anlage, die am 24. November von den Stadtwerken Augsburg (swa) offiziell in Betrieb genommen wurde. In der Funktionsweise gleicht Power-to-Heat einem überdimensionalen Tauchsieder. Doch der Zweck ist weitreichend: Die Anlage hilft das Stromnetz zu stabilisieren. Ein wichtiger Beitrag zur Energiewende.

von Katharina Weiss

Um die Herausforderung Energiewende zu meistern, sind neue Technologien und Herangehensweisen vonnöten. Doch dies betrifft nicht nur die Energieerzeugung, sondern auch die Speicherung und die Stabilisierung des Stromnetzes. An dieser Stelle kommt Power-to-Heat zum Einsatz. Wie wichtig solche Erneuerungen für die gegenwärtige Energiewirtschaft sind, zeigte das Erscheinen zahlreicher Energiebetreiber aus der Region bei der Inbetriebnahme der Anlage in Lechhausen.  

Probleme der Energiewende

In den letzten Jahren haben die regenerativen Stromanteile deutlich zugenommen. Die Menge an Windstrom verdoppelte  sich in den letzten zehn Jahren. Beim Sonnenstrom ist es sogar 60 Mal so viel. Die aktuelle elektrische Leistung aus Photovoltaik und Windkraft entspricht dem Vierfachen der Kernkraftwerksleistung, die jemals in Deutschland installiert war. Doch diese Produktivität schafft auch Probleme: Stromerzeugung und Stromverbrauch müssen im Gleichgewicht sein. Folglich gefährdet ein starker Zubau von Erzeugungsanlagen aus regenerativen Energien die Netzstabilität. Der schleppende Ausbau von Netzen und Speichern ist ein zusätzliches Problem.

Ein intelligentes Stromnetz sichert die Zukunft

Um das Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und -verbrauch zu erhalten, braucht es „smart grid“, ein intelligentes Stromnetz. Das heißt, es müssen Steuerungssysteme und -elemente eingeschaltet werden. In diesem Kontext steht Power-to-Heat. Wie die Anlage das Stromnetz stabilisieren hilft, präsentierten swa-Geschäftsführer Dr. Walter Casazza und Bereichsleiter Siegfried Staudenmeier. Der Name ist Programm: Wenn zu viel Wind- oder Sonnenstrom ins Netz eingespeist wird, entzieht Power-to-Heat den überschüssigen Strom. Der überdimensionierte Mega-Tauchsieder wandelt die Energie über Wasser in Wärme um. Dadurch wird das Netz wieder ins Gleichgewicht gebracht  – auch kurzfristig. Nur fünf Minuten dauert es, bis die Anlage ihre elektrische Maximalleistung von insgesamt 10 Megawatt erbringt. „Wir können damit flexibel auf Schwankungen im Stromnetz reagieren“, so Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Walter Casazza. Als „wichtigen Beitrag zur Umweltkompetenz Augsburgs“ lobte Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl die Anlage: „Das ist Zukunftssicherung – und darum muss es gehen.“

swa: Viel Wind heißt viel Einsatz für Power-to-Heat

Die Situation, dass durch Wind und Sonne zu viel Strom ins Netz geht, entsteht häufig. Etwa 1.000 Mal war dies im vergangenen Jahr bundesweit der Fall. Dennoch hätten die swa nicht damit gerechnet, dass die Power-to-Heat-Anlage schon in ihrer ersten Phase so häufig zum Einsatz kommt. „Wir waren selbst überrascht, aber es zeigte sich: Viel Wind heißt für Power-to-Heat viel Einsatz“, so Bereichsleiter Siegfried Staudenmeir.

Ein lukratives Projekt für die swa

Rund 1,5 Millionen Euro hat die Anlage gekostet. Doch durch eine skurrile Blüte der Energiewende rechnen die swa, dass sie sich schon in vier bis fünf Jahren refinanziert hat. Denn wenn ein Zuviel an Strom vorherrscht und das Netz in Gefahr ist, wird der Verbrauch auf Abruf finanziell vergütet. Und nicht nur das: „Schon die Bereitstellung der Anlage, mit der Möglichkeit auf Anforderung der Netzbetreiber Leistung aus dem Netz nehmen zu können, wird finanziell honoriert“, erklärt Casazza.

swa nutzen Strom-Überschuss für Fernwärme

Darüber hinaus hat die Power-to-Heat-Technologie auf dem Gelände des Gasturbinen-Heizkraftwerks in Lechhausen noch einen praktischen Nutzen. Die Anlage erzeugt aus dem überschüssigen Strom heißes Wasser für die Fernwärme. Mit dieser lässt sich dann je nach Bedarf verfahren: Sie kann direkt in das rund 150 Kilometer lange Fernwärmenetz der swa eingespeist werden. Alternativ wird das heiße Wasser im Wärmespeicher zwischengelagert. 10 Megawatt Leistung erbringt Power-to-Heat – das sind stolze 10.000 haushaltsübliche Tauchsieder. Die Umwandlung von Strom in heißes Wasser beträgt nahezu 100 Prozent. „Es geht also fast keine Energie verloren“, betont Casazza.

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swa nehmen Power-to-Heat-Anlage in Betrieb
Die Power-to-Heat-Anlage der swa stabilisiert das Stromnetz. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
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