Kommentar

LEDVANCE: Die Werksschließung ist der falsche Weg

LEDVANCE in Augsburg. Foto: Isabell Walter/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Hell wie der lichte Tag strahlte an der Berliner Allee mehr als ein Jahrhundert OSRAM. Seit 2015 ist LEDVANCE Hausherr am Lech. Nun brechen jedoch dunkle Zeiten an für ein Werk, das alles gab und jetzt alles zu verlieren scheint. Ist der von Politik und Gewerkschaft signalisierte Hoffnungsfunke vergebens?

Was am Montagmittag, den 13. November, in den Hallen von LEDVANCE geschah, ist schwer in Worte zu fassen. Nicht nur Betriebsrat, Gewerkschaft und Belegschaft verschlug es die Sprache. Auch CEO Jes Munk Hansen fehlten nach rund 15 Minuten die Worte. Ohne eine Frage zu beantworten, soll er die Veranstaltung verlassen haben, bevor sie offiziell beendet wurde. Ein Großteil der Mitarbeiter hat es ihm – unter Buh-Rufen – gleichgetan. Bei einer Pressekonferenz um 15 Uhr war das Gelände so gut wie verlassen. Totenstille.

Diese Erschütterung der Macht war nicht nur an der Berliner Allee zu spüren. Aufschreie und Initiativen vonseiten der (Stadt)Politik zeigten deutlich: Augsburg ist damit nicht einverstanden, Augsburg will sich wehren. Doch gegen wen? Investoren, die in Fernost beheimatet sind? Manager, die lieber in Garching sitzen, als sich ein Werk einmal persönlich anzusehen? Gewerkschaften, die zwar Kampfparolen brüllen, aber keinen kritischen Treffer landen können? Verbündete melden sich viele, eine echte Lösung präsentiert bisher keiner.

Dabei ist das Werk in Augsburg nicht so hilflos, so rückständig oder so ideenlos, wie es das Management darstellen will. Es gibt Platz in den Hallen, Platz in den Büros. Miete muss keine gezahlt, kein Münchner-Gehaltsaufschlag berechnet werden. Gespräche mit dem Technologiezentrum liefen, ein Photovoltaik-Projekt stand kurz vor dem Abschluss und große Firmen zeigten Interesse am Maschinenbau des Unternehmens – der einzige Bereich, der sogar noch ein Jahr länger bestehen soll, weil es so viele Aufträge gibt.

Warum also will LEDVANCE dieses Potenzial nicht nutzen? Weil es Geld kostet, Geld zu verdienen? Weil es billiger ist, Billig-Löhne zu zahlen? Weil Arbeitsplätze halten, Arbeit macht? Die Mitarbeiter in Augsburg haben mehr verdient, als nach ein paar Zahlen auf einer Liste irgendeines Analysten abgewertet zu werden. Sie haben zu lange für den Erhalt des Standortes gekämpft, um einer solch radikalen Entscheidung zum Opfer zu fallen. Es gibt Aufträge. Es gibt Potenzial. Es würde eine Chance geben. Man müsste sie nur ergreifen.

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