Klinikum Augsburg

Klinikum Augsburg fordert Finanzspritze für Notaufnahmen

Susanne Arnold, Alexander Schmidtke, Siegfried Hasenbein und Dr. Markus Wehler. Foto: B4B SCHWABEN
Viele Vertreter von Kliniken aus der ganzen Region nahmen an der Diskussion teil. Foto: B4B SCHWABEN
Susanne Arnold, Alexander Schmidtke, Siegfried Hasenbein und Dr. Markus Wehler. Foto: B4B SCHWABEN

Im Zentrum des gestrigen Mediengesprächs am Klinikum Augsburg stand die Forderung nach lebensrettenden Maßnahmen für die Notaufnahmen. Der Fokus lag auf dem Klinikum Augsburg und der Region Bayerisch-Schwaben. Doch die Herausforderung betrifft alle Notaufnahmen bundesweit: Sie sind chronisch unterfinanziert. Die Teilnehmer stellten sich deshalb der Frage: „Stehen die Notaufnahmen der Region Augsburg kurz vor dem Kollaps?“

von Rebecca Weingarten, Online-Redaktion

Am Montag, den 23. März 2015, lud das Klinikum Augsburg zu einem Mediengespräch zum Thema „Stehen die Notaufnahmen der Region Augsburg kurz vor dem Kollaps?“. Die Krankenhäuser bundesweit stellen sich tagtäglich einer Herausforderung, von der kaum ein Patient etwas weiß: Sie sind chronisch unterfinanziert. Alexander Schmidtke, Vorstandsvorsitzender des Klinikums Augsburg, begrüßte die Teilnehmer des Mediengesprächs. Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG), erläuterte das Gutachten zur aktuellen Situation der Notaufnahmen. Dr. Markus Wehler, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Augsburg, bot den Teilnehmern einen praxisnahen Einblick in den Alltag einer Notaufnahme.

Notfallversorgung: eine regionale und bundesweite Herausforderung

Viele Vertreter unterschiedlicher Kliniken aus der gesamten Region waren anwesend. Dieser Umstand zeigt deutlich: Das Klinikum Augsburg ist mit seiner Forderung nach Reformen nicht allein. Uli-Gerd Prillinger war als Geschäftsführer für die Kreiskliniken Wertingen präsent. Dr. Tobias Köhler, Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Kliniken an der Paar, unterstütze die Forderungen stellvertretend für das Krankenhaus Friedberg. Auch Wolfgang Winkler, Direktor der Hessing Stiftung, nahm an dem Mediengespräch teil. Martin Gösele, Vorstand Wertachkliniken Bobingen und Schwabmünchen, teilte ebenfalls die Auffassung seiner Kollegen. Der Vorstandsvorsitzender der Donau-Ries Kliniken, Jürgen Busse, beteiligte sich ebenso an der Diskussion wie Günter Heidler, stellvertretender Geschäftsführer des Diako in Augsburg.

Unabhängiges Gutachten erläutert Situation deutscher Notaufnahmen

Notaufnahmen sind darauf ausgerichtet, schwer verletzte oder schwer kranke Patienten zu behandeln. Sie sind von zentraler Bedeutung für die Patientensteuerung innerhalb eines Krankenhauses. Siegfried Hasenbein vom BKG erläuterte ein Gutachten, das von der Management Consult Kestermann GmbH und der Deutschen Gesellschaft interdisziplinäre Notfallmedizin und Akutmedizin erstellt wurde. 55 Krankenhäuser haben für dieses Gutachten die Daten von über 600.000 ambulanten Notfällen bereitgestellt.

Kosten für Notfallmedizin werden oft nicht erstattet

Jeder Patient in der Notaufnahme kostet die Kliniken im Durchschnitt 126 Euro. Davon entfallen 80 Prozent auf die Notaufnahmen selbst, 13 Prozent auf radiologische Untersuchungen und 5 Prozent auf Labordiagnostik. Hier kommen wir zum Problem: Diese Kosten werden oft zum großen Teil von den Kostenträgern nicht erstattet. Die deutschen Notaufnahmen verbuchen so Defizite von rund einer Milliarde Euro pro Jahr.

Notaufnahmen decken immer breiteres Patientenspektrum ab

Festzustellen ist, dass immer mehr Patienten in die Notaufnahme gehen. Der kassenärztliche Bereitschaftsdienst ist nur sehr eingeschränkt verfügbar. Patienten bekommen oft keinen Termin bei den Fachärzten. Gleichzeitig geben viele an, dass die medizinische Versorgung in den Kliniken besser sei. Die Folge: Die schlechte Gesamtversorgung wird von den Notaufnahmen der Kliniken abgefangen. Diese erhalten dafür aber nicht mehr Geld. Lange Wartezeiten entstehen. Am Ende tauchen die Leistungen der Notaufnahme oft nicht in der Systematik der Kostenträger auf. Dadurch entstehen Schäden in Millionenhöhe – auch am Klinikum Augsburg.

Arbeitsplatz Notaufnahme: keine langfristige, attraktive Perspektive

Die deutschen Notaufnahmen sind nicht nur unterfinanziert, sondern haben auch keine anerkannten Ausbildungscurricula. Gleichzeitig wollen viele nicht in der Notaufnahme arbeiten. „Wir können unseren Mitarbeitern außer viel Arbeit nachts und am Wochenende – wo diese Leute dann auch nicht bei ihren Familien sein können – zurzeit nichts bieten“, so Dr. Wehler. Die Arbeit in der Notaufnahme ist interessant und abwechslungsreich. Leider bietet sie vielen langfristig wenig Perspektiven.

Klinikum Augsburg: das Wohl der Patienten an erster Stelle

Krankenhäuser wie das Klinikum Augsburg bleiben oft auf den Kosten für die Notaufnahme sitzen. Trotzdem wird hier tagtäglich hochqualifizierte Notfallmedizin geleistet. „Gesundheit ist ein Stück Lebensqualität. Wir wollen für unsere Patienten auch in ihren Extremsituationen da sein. Mit dieser Veranstaltung weisen wir darauf hin, dass wir uns um die Zukunft der Notaufnahmen und damit um unsere Patienten sorgen“, so Vorstandsvorsitzender Schmidtke.

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