Handwerkskammer für Schwaben

Handwerk 4.0: Ilse Aigner startet wegweisendes Projekt in Augsburg

Rolf Laurer, Günther Reinhart, Ilse Aigner, Hans-Petr Rauch, Ulrich Wagner, Erich Schulz. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Wie kann Digitalisierung im Handwerk aussehen? Das wollen die Handwerkskammern für Schwaben und Unterfranken gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut herausfinden. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner gab am 28. Juli den Startschuss für das bundesweit erste Forschungsprojekt dieser Art in Augsburg.

„Mein Ziel ist es, von Industrie 4.0 zu Handwerk 4.0 die Brücke zu schlagen“, erklärte die Ministerin bei der Übergabe der Förderbescheide. Es geht dabei darum, die Digitalisierung speziell für das Handwerk zu untersuchen und neue Anwendungswege für kleinere und mittlere Handwerksbetriebe aufzuzeigen. Gut zwei Millionen Euro kostet das Projekt. Der Freistaat bezuschusst dieses zu 75 Prozent.

Hans-Peter Rauch: Digitalisierung wird das Handwerk verändern

„Es ist ein historischer Moment, denn es ist der Einstieg in eine neue Art der Förderung durch den Freistaat“, bedankte sich HWK-Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner für die Gelder. Auch Hans-Peter Rauch, Präsident der Handwerkskammer für Schwaben, stellte die Bedeutung des Projekt noch einmal heraus: „Handwerk Digital ist ein wegweisendes Projekt für unseren Wirtschaftszweig“, kommentierte er. „Die Digitalisierung wird die Prozesse im Handwerk maßgeblich verändern.“

Viele Chancen für Handwerk 4.0

Die Anwendungs-Beispiele dafür seien zahllos und ließen der Kreativität freien Lauf. Neue Technologien wie der 3D-Druck drängen auf den Markt und könnten gerade auch im metallverarbeitenden Bereich genutzt werden. Roboter erleichtern die Handhabung schwerer Geräte und Exponate. Die Wertschöpfungs-Prozesse können weitgehend digitalisiert ablaufen. Intelligente Verknüpfungen an Anlagen fungieren als Frühwarnsystem, um Ausfälle beispielsweise von Heizungen voraussagen zu können. Ersatzteile können so rechtzeitig bestellt, Handwerker-Termine frühzeitig verabredet werden. „Es kommt auf die Unternehmen einiges zu“, fasste Rauch zusammen.

Erich Schulz GmbH stellt sich für den Feldtest zur Verfügung

So zahlreich die Anwendungs-Möglichkeiten sind, so unübersichtlich sind sie auch. „Es braucht einen Plan, wie die Digitalisierung im Handwerk platziert werden kann“, erklärte der Präsident der HWK Schwaben. Daher wird sich „Handwerk Digital“ im ersten Schritt mit einer Bestandsaufnahme der aktuellen Digitalisierung im Handwerk beschäftigen. Anschließend sollen Potenziale ausgelotet werden, in denen das Handwerk auf digitale Hilfsmittel zurückgreifen kann. Pilotprozesse im laufenden Betrieb werden diese dann testen. Dafür hat sich die Erich Schulz GmbH & Co. KG (Sanitär-Heizung-Spenglerei-Ingenieurbüro) aus Augsburg zur Verfügung gestellt. „Wir sind sehr froh, dass wir mit Herrn Schulz einen Unternehmer mit hohem Praxisbezug mit im Boot haben, der die Erfahrungen aus seinen Firmen einfließen lassen kann und gleichzeitig bereit ist, Ergebnisse auch zu erproben“, freut sich Ulrich Wagner.

„Einzigartiges und deutschlandweit erstes Projekt dieser Art“

Nach drei Jahren sollen die Ergebnisse dieses Projekts dann dazu beitragen, dass die handwerklichen Unternehmen am technischen Fortschritt teilhaben. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen sollen so wettbewerbsfähig bleiben und Arbeits- und Ausbildungsplätze gesichert werden. Die Handwerkskammern Schwaben und Unterfranken werden ihr erworbenes Wissen dabei auch mit den restlichen Kammern Teilen. Als „einzigartiges und deutschlandweit erstes Projekt dieser Art“, wie Aigner betonte, betreten die Partner hier Neuland, dass für ganz Deutschland relevant ist. „Das ist Bayern-like – eine  Nasenlänge voraus“, schloss Ilse Aigner ab.

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