Handwerkskammer für Schwaben

Gute Auftragslage bringt Engpässe im schwäbischen Handwerk

Symbolbild. Foto: Paul-Georg Meister / pixelio.de
Das schwäbische Handwerk befindet sich weiter in Hochstimmung: Das zeigt die erste Quartals-Umfrage 2017 der Handwerkskammer (HWK) für Schwaben. Besonders zuversichtlich stimmt hier die gute Auftragslage, doch der Erfolg bringt auch Schattenseiten.

„Die konjunkturelle Hochphase im schwäbischen Handwerk setzt sich erfreulicherweise fort. Das Handwerk bleibt ein stabiler Pfeiler der Volkswirtschaft. Auf diesen Erfolgen dürfen wir uns aber nicht ausruhen. Für die Politik heißt das: die duale Ausbildung weiter stärken und fördern, Leistungsträger steuerlich entlasten und die öffentliche Infrastruktur ausbauen“, betont HWK Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner. Rund 90 Prozent der schwäbischen Handwerks-Unternehmen bewerten die ersten drei Monate des Jahres als positiv.

Die Kehrseite des Erfolgs

Für die Mehrheit der Unternehmen hat sich die Zahl der Auftrags-Eingänge im ersten Quartal 2017 zum Positiven entwickelt. So meldeten 26 Prozent der Firmen einen Anstieg der Aufträge. Noch im Vorquartal konnten lediglich 15 Prozent der Unternehmen ein Plus verzeichnen. Die durchschnittliche Reichweite der Auftragsbestände stieg im ersten Quartal auf acht Wochen. Das sind eineinhalb Wochen mehr als noch im Vorquartal und knapp eine Woche mehr als im Vorjahr. „So erfreulich volle Auftragsbücher für die Betriebe sind, bedeutet es gleichzeitig längere Wartezeiten für die Kunden. Auch wenn Notfälle davon nicht betroffen sind, muss man sich auf längere Vorlaufzeiten insbesondere für größere Sanierungs- und Renovierungsarbeiten einstellen“, weist HWK Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner auf die Kehrseite des Erfolgs hin.

Wagner: Hoher Bedarf an Fachkräften kann nicht gedeckt werden

Dem kann man jedoch mit sorgfältiger und rechtzeitiger Planung gerade für umfangreiche Investitions-Vorhaben gegensteuern, ist sich Wagner sicher. „Gute Fachkräfte sind für unsere Firmen am Arbeitsmarkt nur noch schwer zu finden. Und über die Ausbildung rücken zu wenige Nachwuchskräfte nach. Bei den neu abgeschlossenen Ausbildungs-Verträgen konnten wir zuletzt zwar ein leichtes Plus von zwei Prozent erreichen. Das reicht aber nicht aus, den hohen Bedarf in vielen Gewerken zu decken“, ergänzt Wagner. Zurzeit sind rund 750 Ausbildungsplätze im schwäbischen Handwerk nicht besetzt.

Neun von zehn Handwerks-Betrieben sind zufrieden

Die Bau- und Ausbauhandwerke fungieren weiterhin als die starken Wachstumstreiber im Handwerk. Im Branchen-Vergleich schneidet das Ausbauhandwerk mit einem Anteil von 95 Prozent zufriedener Betrieben am besten ab. Auf Platz zwei folgt das Bauhauptgewerbe. Insgesamt 90 Prozent der Bauhandwerker bewerten ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Platz drei erreicht die Gruppe der verbrauchernahen Dienstleistungen. Zu dieser Kategorie zählen Gewerke wie Friseure, Optiker, gewerbliche Zulieferer, das Kfz-Gewerbe und das Nahrungsmittel-Gewerbe.

14 Prozent der Unternehmen mussten Stellen abbauen

Ungeachtet politischer Unwägbarkeiten in den USA und Europa wie durch den Brexit, zeigt sich die handwerkliche Konjunktur damit robust. Auch wenn die stark gestiegene Inflationsrate die Kaufkraft schmälert, bleibt das Konsumklima günstig. So zeigen die Umfrage-Ergebnisse, dass sich die Umsätze im ersten Quartal noch eher zögerlich entwickeln. Lediglich ein Fünftel der Betriebe verzeichnet ein Plus. Knapp jedes dritte Unternehmen muss einen Rückgang hinnehmen. Der handwerkliche Arbeitsmarkt zeigt sich dagegen robust. Ein Zehntel der Unternehmen konnte im ersten Quartal zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Demgegenüber stehen 14 Prozent, die die Zahl ihrer Stellen reduzieren mussten.

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