Kommentar

Firmenwagen adé: Augsburg braucht die Werkswohnung 4.0

Die ehemaligen Werkswohnungen von MAN in der Reichenbachstraße. Foto: Iris Zeilnhofer / B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
In Zeiten des Fachkräftemangels drängt sich die Frage auf: Wie können Unternehmen gute Leute an sich binden – gerade auch dann, wenn sie bei den Gehältern nicht mit den Global Playern mithalten können?

Ein Zuhause finden im Ballungsraum Augsburg – für viele ist diese Suche sehr schwer geworden. Weil das Angebot geringer ist als früher und weil der Wohnraum, den man sich leisten könnte, nicht den eigenen Vorstellungen entspricht. Häufig hat dies nicht unbedingt etwas mit überhöhten Ansprüchen zu tun, sondern mit durchaus nachvollziehbaren Wünschen. Dass die Kinder ab einem gewissen Alter ein eigenes Zimmer haben, zum Beispiel, oder dass Platz vorhanden ist, um die Arbeit, die man mit nach Hause nimmt, in Ruhe erledigen zu können.

Gerade diese für viele schwierige Situation bietet für die Wirtschaft eine einzigartige Chance. Sie könnte sich ein lang bewährtes Konzept wieder zunutze machen. Ob Dierig, MAN oder Haindl: Werkswohnungen gab es früher in ganz Augsburg. Heute braucht es vielleicht keine Arbeiter-Siedlungen mehr, wohl aber die Werkswohnung 4.0. Denn während Baupreise, Mieten und Geburtenrate steigen, stagnieren die Gehälter.

Während viele Firmen schlichtweg nicht in der Lage sind, diese Schere über die Löhne auszugleichen, sollten sie sich trotzdem verantwortlich fühlen und handeln. Es sollte in einer Stadt wie Augsburg möglich sein, eine vernünftige Wohnung zu einem vernünftigen Preis zu bekommen. Firmen sollten sich in der Verpflichtung sehen, für ihre eigenen Mitarbeiter Wohnraum zur Verfügung zu stellen – und könnten davon selber profitieren. Denn wer sich in seinem Zuhause wohlfühlt, ist auch im Unternehmen fokussierter und erfolgreicher. Die Wohnraumsuche und auch die hohen Mietpreise sind hingegen Stressfaktoren, die sich jeder Arbeitnehmer gerne spart.

Gleichzeitig könnten die Werkswohnungen 4.0 die Leistungsbereitschaft und die persönliche Bindung von Mitarbeitern an ihr Unternehmen erhöhen. Firmen, die keine Münchner Gehälter zahlen können, könnten sich trotzdem von der Masse abheben. Somit würden sich neue Türen öffnen, um dem Mangel an qualifizierten Arbeitnehmern zu trotzen. Bei all dem Geschrei nach Fachkräften sollte die Werkswohnung 4.0 allein schon deshalb eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

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