Kommentar

Die Cebit ist tot, die afa lebt!

Warum die einen Messen überflüssig werden, die anderen aber nie.

Das war’s also mit der Cebit. 31 Jahre hat sie durchgehalten, rapide abgespeckt bei Besucherzahlen und Besucherstruktur, ernüchtert, was die Rolle am Markt und den Alkoholpegel der abendlichen Standpartys angeht. Die Nachfolgeveranstaltung soll in den Frühsommer rücken und „Festivalcharakter“ bekommen – nette Idee, aber ob’s was hilft gegen die schleichende Irrelevanz? Immerhin versuchte die Computermesse während der Hälfte ihres Daseins Technik zu verkaufen, die angeblich Messen überflüssig macht: Produktpräsentationen, Anwendungsbeispiele, Dialog mit Nutzern – alles digital möglich, alles virtuell zu handhaben. Ohne Stau auf dem Messeschnellweg, ohne Hatscherei von Halle zu Halle, ohne die ewiggleiche Messewurst mit Senf.

Das hätten wir also alles auch schon früher haben können. Schade eigentlich. Zumal wenn man sich ansieht, welch ein intelligentes Format kompakte Zwei-Tages-Veranstaltungen wie das „Fujitsu Forum“ haben, bei dem der Augsburger PC-Hersteller jedes Jahr seine Partner und Anwender zusammenbringt.

Während nun die Cebit den Gang alles Irdischen geht, startet am Wochenende die afa in ihre 69. Auflage. Auch dort hat sich viel verändert, insbesondere wenn man sich ansieht, wie viele erfrischender Wind zwischen dem Auszug aus den Zelten in der Ulrich-Hofmaier-Straße und dem Einzug auf dem Messegelände an Innovation und Evolution durch die Hallen geweht hat. So nah am Verbraucher(verhalten) zu sein wie die „Frühjahrsausstellung“ braucht nicht nur regionale Verbundenheit. Es braucht den Mut zur fortlaufenden Veränderung, die Risikobereitschaft für neue Formate und die Bereitschaft, sich von Angeboten zu trennen, die sich überholt haben. Mit der AFAG als Veranstalter verfügt Augsburg nunmehr seit 25 Jahren über einen Anbieter, der dieses Prinzip nachweislich beherrscht und Leben in eine Bude bringt, die andernorts verstaubt.

Mit vier „Kurzterminen“ innerhalb der zehn afa-Tage – für Kleintiere, Sport, Autos und Umwelt –setzt die Ausstellung ökonomische Akzente und liefert den Besuchern eine Entscheidungshilfe. Der große Gemischtwarenladen ist passé, der fliegende Wechsel wird zum Programm. Damit wird die Veranstaltung beiden Seiten gerecht, Ausstellern wie Besuchern.

Während zum Beispiel noch vor zehn Jahren Möbelhersteller große Flächen auf der afa einnahmen, sind sie heute ganz von der Messe verschwunden. Sie haben ihre eigenen Präsentationsformen gefunden, auch die Kunden informieren sich anders und kaufen anders ein in den großen „Dauerausstellungen“ von Segmüller, Lutz und Co., die auf ähnlichen Erlebnischarakter setzen wie die Verbrauchermesse. Es gibt einfach ein paar Gegenstände des täglichen Bedarfs, bei dem der Wunsch nach realer Beratung, Prüfung und Auswahl der Ware weiterhin den Komfort des Einkaufs im virtuellen Raum übertrifft. Zumal – und da ist die afa bekanntermaßen eine gute Adresse – das kulinarische Angebot für hungrige Messe-Wanderer alles andere als Wurs(ch)t ist…

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