Kommentar

Die B17 bremst Augsburg aus

Symbolbild. Foto: iStock / eyewave
Der Ausbau der B16 zwischen Günzburg und Ingolstadt gilt als Meilenstein für die Region. Daran, wie dieses Großprojekt in Nordschwaben angegangen wird, kann sich Augsburg ein Beispiel nehmen.

Bei der B16-Konferenz in Rain am Lech wurde am vergangenen Donnerstag der regionale Zusammenhalt aller Mitwirkenden beschworen. Von einem solchen Konsens ist man bei vielen infrastrukturellen Großprojekten in Augsburg noch weit entfernt.

Eigentlich ist das mehr als überraschend. Schließlich wird fast täglich darüber berichtet, wie rasant die Fuggerstadt seit Jahren wächst. Die 300.000 Einwohner-Marke soll bereits 2019 geknackt werden. Durch die Uniklinik wird weiteres Wachstum erwartet. Dass damit auch die Infrastruktur mitgehen muss, ist eigentlich logisch. Denkste. Denn allein ein Blick auf die Diskussionen rund um die geplante Osttangente zeigt, dass längst nicht alle von dieser Notwendigkeit überzeugt sind.

Dabei scheitert es gar nicht mal, wie vielleicht zunächst vermutet, am Geld. Auch sind hohe bürokratische Hürden wie die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan für die Ostumfahrung Augsburgs bereits geschafft. Derzeit sind es vielmehr die Details – sprich: die Pläne zum Trassenverlauf – an denen sich die Geister scheiden. Von der Einigkeit und dem starken Signal für die Öffentlichkeit, die am vergangenen Donnerstag in Nordschwaben rund um den Ausbau der B16 zu spüren waren, fehlt jede Spur.

Dass es hier kein „Ziehen an einem Strang“ gibt, ist mehr als bedauerlich. Denn die Osttangente wird dringend benötigt. Schon heute erstickt die B17 im Verkehr. Augsburgs wichtigste Nord-Süd-Tangente muss vom steigenden Verkehrsaufkommen vor allem Richtung Graben, Lechfeld und München entlastet werden. Der permanente Stau zu fast jeder Tageszeit ist nicht nur ärgerlich, sondern zieht weitreichende Konsequenzen nach sich. Das eigene Unternehmen entlang der B17 anzusiedeln, galt früher einmal als das Nonplusultra. Inzwischen ist es eher ein Hindernis. Zunehmend wächst die Erkenntnis: Die B17 macht nicht mehr mobil. Sie bremst aus. Ein florierender Wirtschaftsstandort wie Augsburg hat eine bessere Infrastruktur verdient – und braucht sie auch, wenn der er weiter wachsen soll.

Für dieses Dilemma gibt es eigentlich nur zwei Lösungs-Möglichkeiten: Entweder, Augsburg wird die erste deutsche Stadt, die nach dem Vorbild der USA mehrgeschossige Straßen baut. Oder man nimmt sich doch ein Beispiel an den Kollegen in Nordschwaben und packt ein zukunftsweisendes Verkehrsprojekt gemeinsam an. Es bleibt abzuwarten, welche Variante bevorzugt wird.

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