Gast der Redaktion

„Braucht Augsburg ein Digitales Zentrum, Herr Schimpfle?“

Stefan Schimpfle, Geschäftsführer aitiRaum. Foto: Isabell Walter / B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Das Digitale Zentrum Schwaben (DZ.S) gilt als Meilenstein auf dem Weg, die Region noch wettbewerbsfähiger zu machen. Doch was bedeutet das konkret für die Unternehmen im Spannungsfeld des digitalen Wandels? Wir haben bei Stefan Schimpfle, Geschäftsführer aitiRaum, nachgefragt.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Schimpfle, was genau hat es mit dem Digitalen Zentrum Schwaben auf sich?

Stefan Schimpfle: Das Digitale Zentrum Schwaben (DZ.S) soll die Plattform der digitalen Wirtschaft in Schwaben werden. Neben dem Austausch untereinander geht es auch darum, passende Infrastruktur zu errichten. So wird die Vernetzung von etablierten Unternehmen und Startups im Wirtschaftsraum Augsburg auf Basis des aitiRaums weiterentwickelt. Auch über Kempten und Nördlingen wird dieses Netzwerk ausgeweitet.

Welche baulichen Maßnahmen sind geplant?

Sowohl in Augsburg als auch in Kempten entstehen Einrichtungen, in denen Startups ein Zuhause finden sollen. Derzeit ist das Digitale Gründerzentrum in Kempten in der ehemaligen Schlichterei untergebracht. Doch das ist nur eine vorübergehende Lösung: Bis 2020 entsteht am Campus der Hochschule Kempten ein neues, 1.300 Quadratmeter großes, Gebäude. In Augsburg fungiert der aiti-Park als Übergangslösung für das DZ.S.

Wann rechnen Sie mit dem Spatenstich für den Neubau in Augsburg?

Das ist derzeit schwer zu sagen. Wir haben die Anforderungen des Vergaberechts zu erfüllen und bereiten derzeit für das geplante Mietmodell die Ausschreibungs-Unterlagen vor. Die Bewerbung und Antragstellung haben wir mit einem Konzept im Sigma Technopark südlich der freien Fläche neben dem aiti-Park abgegeben. Alternativ könnte das DZ.S auch im Augsburg Innovationspark angesiedelt werden.

Wer investiert in das Digitale Zentrum Schwaben?

Die Mieten für die Räume werden an den jeweiligen Standorten zu 75 Prozent vom Freistaat Bayern und zu 25 Prozent aus der öffentlichen Hand vor Ort finanziert. Das sind einerseits die Stadt Augsburg und die Landkreise Augsburg sowie Aichach-Friedberg, andererseits die Stadt Kempten. Der laufende Betrieb der Zentren muss über die Mieteinnahmen abgedeckt werden. Das Netzwerk wird zu 50 Prozent von staatlicher Seite und zu 50 Prozent von Partnern aus der Wirtschaft finanziert.

Welche Rolle spielt der aiti-Park künftig im DZ.S?

In Augsburg bauen wir das DZ.S auf dem Fundament auf, das durch den aiti-Park und den aitiRaum gelegt wurde. Der aitiRaum ist bisher ein Netzwerk der IT-Anbieter. Doch es wird zunehmend wichtiger werden, diese mit den Anwendern zu vernetzen. Das DZ.S wird die Innovations-Drehscheibe sein, um die passenden Player zusammenzubringen. Der aiti-Park wird hier weiterhin ein wichtiger Baustein unter dem Dach des DZ.S sein.

Geschäftsführer Stefan Schimpfle im Gespräch mit unserer Redakteurin Rebecca Weingarten. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN Geschäftsführer Stefan Schimpfle im Gespräch mit unserer Redakteurin Rebecca Weingarten. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN

Was sollte beim Bau des Digitalen Zentrum Schwaben beachtet werden?

Ganz wichtig sind eine gute öffentliche Anbindung und die Nähe zu den Hochschulen. Außerdem brauchen wir in einem Teilbereich offene Flächen, die Kommunikation und Austausch fördern. Uns schweben ein Café, Co-Working-Spaces, Think Tanks, Platz für größere Veranstaltungen und ein digitales Lab mit entsprechender Ausstattung vor. Das Raumkonzept in Kempten sieht Ähnliches vor. Die Räumlichkeiten in Augsburg werden mit rund 3.000 Quadratmetern etwas größer sein.

Was die beiden Standorte angeht: Wie groß ist die Konkurrenz zwischen Augsburg und Kempten?

Wir haben uns bewusst für eine gemeinsame Bewerbung entschieden und auch das Technologie Centrum Westbayern in Nördlingen mit eingebunden. Wir wollen dabei die vorhandenen Strukturen der Wirtschaftsregion nutzen und ein gemeinsames Netzwerk entwickeln. Es gibt verschiedene Schwerpunkte und klare Themen-Verantwortlichkeiten. Im Allgäu liegt der Fokus auf Tourismus, Games Engineering und Fahrerassistenz-Systemen. Im Wirtschaftsraum Augsburg und Nordschwaben wollen wir uns auf die Bereiche IT-Security, Internet of Things und Business Development konzentrieren. Unser Ziel ist es, dass sich die Standorte gegenseitig beflügeln und thematisch voneinander profitieren.

Welche wirtschaftlichen Impulse versprechen Sie sich durch das DZ.S?

Wir brauchen einerseits mehr Gründergeist. Viele kreative Köpfe haben in der Vergangenheit die Sicherheit der Großkonzerne bevorzugt. Andererseits ist eine bessere Vernetzung von Startups und Mittelstand wichtig. Startups sind flexibel, technisch versiert und haben viele Ideen. Für den Mittelstand und die Industrie bedeuten innovative kleine Unternehmen den Blick in die Zukunft. Sie haben oft die Fähigkeit, schneller und flexibler technische Innovationen und neue Geschäftsmodelle zu erproben. Umgekehrt können etablierte Unternehmen durch ihre internationale Präsenz, weltweite Marktzugänge und Fertigungskapazitäten einem jungen Unternehmen zum internationalen Durchbruch verhelfen. Auch wenn hier noch viel getan werden muss: Wir spüren bereits jetzt einen neuen Gründergeist. Wir starten in eine neue Epoche. Diese will das DZ.S maßgeblich mitgestalten.

Was sind im Bereich des digitalen Wandels die größten Veränderungen der letzten Monate?

Daten sind das neue Öl. Das ist den meisten Unternehmen inzwischen klar. Viele Innovationsführer haben in letzter Zeit wichtige Meilensteine erreicht. Dennoch haben einige Unternehmen gerade erst angefangen, Prozesse zu digitalisieren. Der digitale Wandel ist oftmals nicht nur technischer, sondern vor allem auch strategischer und organisatorischer Art. Hier besteht noch viel Potential in unserer Wirtschaftsregion.

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