Experte Dr. Stefan Söhn

Aus für LEDVANCE in Augsburg: Liegt es am Investor aus China?

Dr. Stefan Söhn, hier bei der Veranstaltung China im Wandel. Foto: Isabell Walter/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Die Schließung des Augsburger LEDVANCE-Werks ist seit Montagmittag offiziell bekannt. Welchen Einfluss hatte der chinesische Investor darauf und sind weitere Firmen in der Region von Schließungen bedroht? Wir haben bei China-Experte Dr. Stefan Söhn von MultiTrust Capital Partners GmbH nachgefragt.

Rund 700 Arbeitsplätze sollen in den nächsten zwei Jahren in Augsburg durch die Werksschließung wegfallen. Die Geschäftsführung des Unternehmens wird sich deutschlandweit sogar von insgesamt 1.300 Mitarbeitern trennen. Erst seit diesem Sommer wird LEDVANCE von einem chinesischen Investor finanziert. So stellt sich die Frage: Inwieweit ist das Aus des Werks mit dem Geldgeber aus Fernost verknüpft?

„Kann mir nicht vorstellen, dass die Entscheidung ohne Abstimmung getroffen wurde“

„Ich kann nicht sagen, ob und inwieweit die Entscheidungen mit den Gesellschaftern in China abgestimmt oder von dort sogar initiiert wurden. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass derart weitgehende Entscheidungen ohne Abstimmung getroffen werden – das ist dort nicht anders als bei uns in Deutschland“, erklärte Dr. Stefan Söhn gegenüber unserer Redaktion. Eine gängige Praxis sei dies aber keinesfalls.

„Es ist nicht so, dass der weitere Personalabbau überraschend kommt“

„Das ist sicherlich die Ausnahme, wenngleich es in Augsburg im Jahr 2009 mit Böwe Textile Cleaning bereits einen ähnlichen Fall gab. In beiden Fällen haben die chinesischen Investoren aber ein ohnehin schwächelndes Unternehmen übernommen, was sie normalerweise nicht tun. Mir ist kein vergleichbarer Fall bekannt, wo Chinesen gesunde Unternehmen übernommen haben und anschließend in nennenswertem Umfang Personal freigestellt haben“, betont der Experte. „Es ist ja außerdem nicht so, dass der weitere Personalabbau überraschend kommt; er wäre sicherlich auch mit den ehemaligen Gesellschaftern weiter gegangen.“

Söhn verweist dabei auch auf die Aussage des stellvertretenden Vorsitzenden des Osram-Aufsichtsrats und IG-Metall-Sprechers, Michael Knuth. Dieser habe im Zuge der Übernahme im Juli 2016 gesagt, dass in der Sparte bereits seit Jahren Personal abgebaut werde. Der Experte ergänzt: „Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die jetzt angekündigten Maßnahmen – so traurig sie sind – unter Einhaltung der seinerzeit von der IG Metall hochgelobten Übergangs-Regelungen zum Schutze der Arbeitnehmer umgesetzt werden sollen.“

KUKA ist eine „völlig andere Situation“

Ein weiteres Beispiel für chinesische Übernahmen ist in Augsburg auch der Kauf des Roboterbauers KUKA. Midea hält hier fast 95 Prozent aller Aktien. Um diesen Standort sorgt sich Dr. Söhn jedoch nicht. „Abgesehen davon, dass bei KUKA die Arbeitsplatz- und Standortgarantien auf sieben Jahre ausgelegt sind, ist das eine völlig andere Situation. Die KUKA ist ein kerngesundes Unternehmen, investiert heftig in Augsburg und baut Personal auf.“ 100 Millionen Euro sollen in den neuen KUKA Campus fließen, wie das Unternehmen im Sommer bekannt gab.

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