Kommentar

Angst vor der Zukunft: Jetzt nur nicht lähmen lassen!

Symbolbild. Foto: iStock / Timothy_Wang
Die Auftragsbücher der Unternehmen sind voll, alle Kapazitäten gebunden. Was eigentlich eine gute wirtschaftliche Lage ist, birgt auch große Gefahren. Zum Beispiel die, dass die Planung der eigenen Zukunft stiefmütterlich behandelt wird.

Nach den ruhigeren Sommermonaten schlägt der Puls des Wirtschaftslebens in Bayerisch-Schwaben nun wieder schneller. Nun geht es mit unfassbarer Geschwindigkeit auf das Jahresende zu. Dann zwei Wochen, in denen alles zum Erliegen kommt. Stillstand, Ruhe – bevor es wieder losgeht, auf das nächste Ziel zu, den nächsten Meilenstein, die nächste Deadline.

Bei den – zum Glück – nach wie vor vollen Auftragsbüchern kommen auch immer mehr Unternehmen an ihre Kapazitätsgrenzen. Dies ist ein Grund dafür, dass vielen schlichtweg die Ressourcen fehlen, um sich ausreichend mit der Zukunft ihrer Firma zu beschäftigen. Wenn sich hier nicht etwas ändert, dann wird die gute wirtschaftliche Lage von heute der Anfang vom Ende für die Produktionsregion Schwaben sein.

Innovationszyklen werden immer kürzer. Neue Technologien werden so schnell groß, dass es schwer ist, mitzuhalten. Die Digitalisierung ist hier das greifbarste Beispiel, eben weil sie zeigt, wie wenig die meisten selbst von jenen Technologien verstehen, die unser gesamtes berufliches und privates Leben prägen. Anders ist es nicht bei den karbonfaserverstärkten Kunststoffen, beim 3D-Druck oder bei der Industrie 4.0. Die Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben verändert sich nachhaltig und viel zu wenige direkt Betroffene sind in der Lage, diese Veränderungen im selben Tempo nachzuvollziehen.

Der Grund darin liegt auch in der Haltung zu Neuem. Lange abwarten und sich die Sache erst einmal anschauen, am liebsten so lange, bis es in der Region ein paar erfolgreiche Vorreiter gibt und man sicher sein kann, dass sich die Mühe auch wirklich lohnt: Das funktioniert nicht mehr. Die Angst vor dem Neuen – so nachvollziehbar sie ist, sie ist heutzutage vor allem gleichzusetzen mit der Angst vor der eigenen Zukunft.

Vor der Zukunft jedoch sollte sich niemand verstecken, schon gar nicht der Mittelstand. Vielmehr sollten die Macher aus Bayerisch-Schwaben diese aktiv mitgestalten. Angst hingegen lähmt, sie ist schlecht fürs Geschäft, schlecht für Arbeitsplätze und schlecht für die Wirtschaftskraft unserer Region.

Werden diese neuen Technologien herkömmliche Geschäftsmodelle von der Landkarte streichen? Mit Sicherheit. Doch aus diesen Veränderungen entsteht vor allem auch: neues Potenzial. Nehmen wir als Beispiel die additive Fertigung: Sie wird nicht nur Produktionsprozesse, sondern auch andere Branchen wie die Logistik nachhaltig verändern und zum Teil kannibalisieren. Anstatt sich davon Angst machen zu lassen, hat Andreas Schmid Logistik kurzerhand ein Joint-Venture mit voxeljet gegründet. Diese Woche geht es an den Start. Das Ziel: den Wandel ganz vorne in erster Reihe mitgestalten.

Im Hinblick auf die Zukunft des Produktionsstandorts Schwaben müssen sich auch andere Unternehmer nun fragen: „Never change a running system“ oder „change before you have to“ – was soll es sein?

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