vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.

24. vbw Herbstgespräch: „Erfolg und Spitzen-Leistungen sind keine Zufalls-Produkte“

Das 24. vbw Herbstgespräch Schwaben fand am 9. November 2016 statt. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN

Mit Bildergalerie: Die eigenen Grenzen sprengen: Im Interview mit unserer Redaktion erklären Philipp Erwein Prinz von der Leyen von der vbw und Spitzensportler Thomas Lurz, wie Erfolge gelingen.

Alle Bilder zum vbw Herbstgespräch in Schwaben sehen Sie hier.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr von der Leyen, wo sehen Sie die Verbindung von Wirtschaft und Spitzensport?

Philipp Erwein Prinz von der Leyen: Zunächst ist der Sport natürlich auch als Wirtschaftsfaktor bedeutend. Eine Studie des Bundesinstituts für Sportwissenschaft aus dem Jahr 2013 zeigt, dass die sportbezogene Bruttowertschöpfung mit ihren Waren und Dienstleistungen bereits vor fünf Jahren rund 73 Milliarden Euro betrug. Das sind mehr als drei Prozent der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung. Zudem sind in den sportrelevanten Branchen laut Studie über 1,7 Millionen Personen beschäftigt. Auch für den Außenhandel spielt das Thema Sport eine wichtige Rolle. Darüber hinaus gilt bei sportlichen Betätigungen wie in der Wirtschaft: Nachhaltiger Erfolg und Spitzenleistungen sind keine Zufallsprodukte. Herausragende Leistungen sind stets das Ergebnis von Arbeit, Motivation und Disziplin. Dazu kommen individuelle Stärken sowie ausgeprägte Teamfähigkeit – denn die Unterstützung durch ein verlässliches Team kann entscheidend sein.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Lurz, die eigenen Grenzen sprengen – wie geht das?

Thomas Lurz: Wichtig ist es, zu wissen, wo die eigenen Stärken liegen und dann die richtigen Ziele zu setzen. Somit besteht die Grundlage. Dann kommt noch die harte Arbeit dazu, bei der man ab und zu mal über seine Grenzen gehen muss, um sich weiterzuentwickeln. Man muss immer wissen: warum trainiere oder arbeite ich gerade. Was ist das Ziel? Und wenn man das klar beantworten kann, dann geht man auch die „extra Meile". Das Training oder die Arbeit sollten sinnvoll sein: Man sollte nach dem Training das Gefühl haben, dass man dem Ziel ein Stück näher gekommen ist. Dann macht es in der Summe auch Spaß.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wer Erfolg haben will, braucht viel Selbstmotivation und Disziplin. Gerade das fällt aber oft schwer. Haben Sie hier einen Tipp für unsere Leser?

Thomas Lurz: Erfolg ist der beste Motivator, den es gibt. Ziele sollte man immer haben und bei jedem Erreichen eines solchen Ziels läuft es einfacher. Deshalb sind auch realistische Ziele so wichtig. Trotzdem sollte man versuchen, die Komfort-Zone zu verlassen. Je öfter das passiert, desto mehr gewöhnt man sich daran und es wird ein Teil des Alltags. Aller Anfang ist schwer, aber wenn es einmal läuft, dann läuft es auch fast von alleine. Deswegen muss man sich am Anfang zwingen und einfach machen, und keine Ausreden haben. Selbstkritik ist hier sicher auch wichtig. Wenn man weiß, dass der Erfolg nach der Disziplin kommt, dann ist das eine gute Motivation. Disziplin beginnt dann, wenn es schwerfällt und man es trotzdem macht.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Was hilft denn dabei, durchzuhalten, wenn es schwer wird?

Thomas Lurz: Wichtig ist, zu erkennen, dass Niederlagen dazugehören. Jeder Mensch hat sie, auf seine Art und Weise. Man kann sich durch sie auch gut motivieren. Dazu analysiert man sie und weiß dann, worauf man beim nächsten Mal achten muss. Trotz aller Motivation und dem Willen zu harter Arbeit sollte man zudem intelligent trainieren und arbeiten. Denn jeder Mensch benötigt auch Regeneration! Dort holt man sich dann die Kraft, um wieder voller Energie an die Sache ranzugehen. Das Maß zwischen Be- und Entlastung zu finden, das ist die große Kunst.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Sie sind zwölffacher Weltmeister im Freiwasser-Schwimmen, fünffacher Europameister und Silbermedaillen-Gewinner der Olympischen Spiele 2012. Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept?

Thomas Lurz: Mein größtes Talent ist der Wille. Man muss nicht immer das Supertalent sein, um der Beste zu sein. Auf dem Boden zu bleiben und bescheiden zu sein, das ist wichtig – aber das bleibt ohnehin, wenn man hart gearbeitet hat und weiß, wo der Erfolg herkommt. Mein Tipp: Immer wieder neu angreifen, dann kommt auch das Glück, das man doch ab und zu braucht. Nie aufgeben, sondern weiter kämpfen und nicht vergessen: Allen anderen geht häufig auch nicht anders.

Das Interview führte Rebecca Weingarten

Alle Bilder zum vbw Herbstgespräch in Schwaben sehen Sie hier.

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Das 24. vbw Herbstgespräch Schwaben fand am 9. November 2016 statt. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
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