Vertrag über 20 Jahre

Stadtwerke und LEW übernehmen das Stromnetz in Friedberg

Holger Grünaug, Roland Eichmann, Dr. Markus Litpher und Josef Wagner. Foto: Isabell Walter/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Bislang hat die Augsburger Lechwerke AG (LEW) das Friedberger Stromnetz allein betrieben. Das soll sich nun ändern: Beide Unternehmen treten nun als gemeinsamer Bieter auf. Gestern wurde der entsprechende Vertrag unterzeichnet.

Aus dieser Partnerschaft wird die gemeinsame Gesellschaft Stromnetz Friedberg GmbH & Co. KG gegründet. „Wir sind überzeugt davon, dass das der richtige Weg ist. Im Vordergrund steht hierbei besonders der Rekommunalisierungs-Gedanke – eine Seltenheit in Deutschland“, so Friedbergs Erster Bürgermeister, Roland Eichmann. Im Wirtschaftsplan der Stadtwerke Friedberg ist für diesen Schritt eine Zahlung in Höhe von 3,1 Millionen Euro eingeplant.

Vertrag über 20 Jahre

Im Friedberger Rathaus wurde zunächst der Vertrag unterzeichnet, der die Partnerschaft zwischen den Lechwerken und den Stadtwerken Friedberg beurkundet. Damit schließen die beiden Unternehmen sich offiziell zu einer Bieter-Gemeinschaft zusammen. In dieser Konstellation erhielten sie auch den Zuschlag für die Konzession. Gemeinsam wollen sie noch im Herbst den entsprechenden Konzessionsvertrag unterschreiben. Nach Vertragsabschluss werden die Stadtwerke Friedberg gemeinsam mit den LEW die nächsten 20 Jahre das stadteigene Stromnetz betreiben.

„Verfahren sehr lange nicht öffentlich“

„Dieser Schritt ist als Teil der strategischen Neuausrichtung der Stadtwerke zu sehen, sich künftig mehr im Energiebereich einzubringen“, erklärte Bürgermeister Eichmann. „Das zugehörige Verfahren war aus rechtlichen Gründen sehr lange nicht öffentlich und daher nur wenig transparent für die Bürger. Jetzt sind wir aber an einem Punkt angelangt, an dem die Bürger informiert werden können“, so Eichmann weiter.

Lechwerke bleiben Netzbetreiber

An der neugegründeten Kooperationsgesellschaft sind die beiden Partner zu unterschiedlichen Anteilen beteiligt. Die Stadtwerke Friedberg halten insgesamt 51 Prozent der Gesellschaftsanteile, LEW die verbleibenden 49 Prozent. Die Lechwerke bleiben als Pächter auch weiterhin für den Betrieb des Netzes verantwortlich. „Diese klare Trennung ist von großem Vorteil. Die Stadt ermöglicht sich auf diesem Weg mehr Einfluss. Selbstverständlich steigt damit auch das unternehmerische Risiko – bei Erfolg aber auch der Ertrag“, erklärte Eichmann.

„Aus betrieblicher Sicht ist dieser Vertrag ein großer Schritt“

„Die Stadt Friedberg und die Lechwerke verbindet mit rund 116 Jahren eine langjährige Partnerschaft. Diese wurde nun noch weiter vertieft. Der Fokus liegt künftig auf den Bereichen Licht, Wärmeversorgung und Ladesäulen“, unterstrich Dr. Markus Litpher, LEW-Vorstandsmitglied. Auch Holger Grünaug, Leiter der Stadtwerke Friedberg, sieht der verstärkten Kooperation optimistisch entgegen: „Aus betrieblicher Sicht ist dieser Vertrag ein großer Schritt. Wir freuen uns auf diese Partnerschaft.“

Hintergrund

Das Modell für die gemeinsame Gesellschaft sieht vor, dass künftig die Stromnetz Friedberg GmbH & Co. KG das Eigentum am Mittelspannungs-, Niederspannungs- und Straßenbeleuchtungsnetz hält. Der Netzbetrieb wird auch weiterhin von der LEW Verteilnetz GmbH (LVN) erbracht. Für die rund 13.500 Netzkunden in der Stadt Friedberg ist somit auch in Zukunft eine sichere Stromversorgung garantiert. Die Stadtwerke werden zum 1. Januar 2018 als Gesellschafter der Stromnetz Friedberg GmbH beitreten. Die Geschäftsleitung für das neue Unternehmen übernehmen ein Vertreter der Stadtwerke Friedberg sowie von LEW: Es ist geplant, dass die Stadtwerke die kaufmännische Betriebsführung für die neue Gesellschaft übernehmen.

Die Partner unterzeichnen ihre Verträge. Foto: Isabell Walter/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN Die Partner unterzeichnen ihre Verträge. Foto: Isabell Walter/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN

 

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