Landratsamt Aichach-Friedberg/ bifa Umweltinstitut GmbH

Mobile Wärme aus Aichach-Friedberg; bifa Umweltinstitut

Der mobile Wärmetransport macht aus ungenutzter Abwärme Heizenergie für Schulen; Foto: bifa

Der Landkreis versorgt seine Schulen in Aichach schon seit Jahren über das dortige Biomasseheizkraftwerk. Bislang stand für das Schulzentrum in Friedberg dagegen keine alternative Energiequelle zur Verfügung, abgesehen von den Photovoltaikanlagen auf Gymnasium, Beruflicher Oberschule und Realschule. In der Vergangenheit haben mehrere Anläufe, mit der Stadt ein großes zentrales Hackschnitzelheizwerk zu errichten, nicht zum Erfolg geführt. Das bifa Umweltinstitut hatte dann die zündende Idee. 

Landwirtschaftliche Biogasanlagen, an die man anschließen könnte – wie in Mering – sind im näheren Umfeld nicht vorhanden. Für die Erweiterung der Konradin-Realschule waren für den gerade entstehenden Neubau eine kleine Luftwärmepumpe und eine Photovoltaikanlage geplant. Die Bauabteilung des Landkreises verstärke nun noch einmal ihre Bemühungen, um eine sinnvollere große Lösung für das gesamte Schulzentrum zu finden. Vom bifa Umweltinstitut in Augsburg kam schließlich die zündende Idee: Der mobile Wärmetransport macht aus ungenutzter Abwärme Heizenergie für Schulen. Mit der Müllverwertungsanlage AVA steht ein kompetenter Partner für ein Pilotprojekt zur Verfügung.

Aufladung wie bei einer Batterie

Ein Latentwärmespeicher befindet sich in einer Art Überseecontainer. Als Speichermedium dient Pökelsalz, ein integrierter Wärmetauscher wird mit Wasser durchströmt. Der Container wird wie eine Batterie mit Abwärme aufgeladen, wo sie sonst in die Atmosphäre verpufft. Industrieanlagen, Müllverbrennungsanlagen oder Biogasanlagen ohne angeschlossenes Fernwärmenetz können Lieferant sein. Der Container wird nach dem Transport mit wenigen Handgriffen an einer Entladestation angeschlossen und gibt für Stunden Heizwärme an das eigene Heizsystem ab.

Das System funktioniert

Die Funktion basiert auf dem Phasenübergang von fest zu flüssig und der dabei jeweils aufgenommenen bzw. abgegebenen Energie. Das System wird seit etwa zweieinhalb Jahren im Ruhrgebiet eingesetzt.  Landrat Christian Knauer hat sich letztes Jahr mit seiner Verwaltung und Mitarbeitern des bifa vor Ort ein Bild gemacht und war überzeugt: „Es funktioniert!“. Eine Grundschule in Bottrop und das Badewasser eines Schwimmbads in Dortmund werden dort bereits mit mobiler Abwärme geheizt. Bisher sind keine Ausfälle zu vermelden. Das System soll ohnehin nur die sogenannte Grundlast der Gebäudeheizung abdecken, steht also immer in Kombination mit einer herkömmlichen Heizung, die Spitzen abfängt und für Sicherheit sorgt.

Von Abfällen zur Energie

Abfälle aus der Region werden zu Energie für die Region – ein Konzept, von dem auch Dirk Matthies, Geschäftsführer der AVA GmbH in Augsburg begeistert ist. „Wir verwerten bis jetzt bei weitem noch nicht unsere gesamte Abwärme. Wenn wir sie in Wärmecontainer füllen, leisten wir gleich einen doppelten Beitrag zum Klimaschutz: Wir nutzen die Abwärme der AVA und reduzieren den Einsatz fossiler Brennstoffe.“ Landrat Christian Knauer sieht auch wirtschaftliche Vorteile:: „Erstens erschließen sich neue Geschäftsfelder für die AVA, an der wir als Landkreis ja auch beteiligt sind, und zweitens machen wir unsere Heizkosten auf einem günstigen Niveau unabhängig von der Entwicklung bei Öl und Gas.“

Energietanks

Das Pilotprojekt läuft nun seit dem 7. Januar am Schulzentrum Friedberg. Die Firma LaTherm hat angesichts des Umsetzungsauftrags nochmals in die Entwicklung investiert und die Container optimiert, die nun eher Tanks gleichen. Gemeinsam haben Technikteams des Landkreises und der AVA seit Mitte des Vorjahres an der Steuerung und Regelung gearbeitet, um die Container optimal mit Wärme zu füllen und maximal entleeren zu können.

50 % des Wärmeverbrauchs gespart

Nach wenigen Betriebstagen wurden bereits 2.100 KWh bei jeder Lieferung transportiert. Wenn morgens die Container volle Leistung bringen, dann haben bei ca. 0° C schon mal die Gasbrenner Pause. Durch das System werden zwei Schulen, zwei Sporthallen und ein Schwimmbad geheizt. Über 50 % des Wärmeverbrauchs wurden seit Schulbeginn im neuen Jahr durch Abwärme gedeckt. „So konnten bereits in dieser kurzen Zeit 5.000 m³ Gas gespart und damit 10.000 kg CO2 vermieden werden“, so Markus Hertel des bifa. Der Transport mittels LKW erzeugt im Gegenzug nur zwei bis fünf Prozent davon.

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