Keine Angst vor Veränderungen!

Change Prozesse: Mit Gefühl zum Erfolg

B4B Mensch & Unternehmen | 12.05.2015

Foto: BsWei / iStock / thinkstock
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Wie erfolgreich Ihr Unternehmen morgen ist, hängt entscheidend davon ab, wie Sie heute mit Veränderungsprozessen umgehen – und ob es Ihnen gelingt, die Menschen dabei mitzunehmen. Denn egal, aus welcher Branche Sie kommen und wohin Sie wollen: Sie werden Ihre Ziele nur dann erreichen, wenn diese von allen Mitarbeitern mitgetragen werden. Dabei spielen Emotionen eine wichtige Rolle.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Schwieriges Erbe: Veränderungen können Angst und Abwehr auslösen.
  • Erfolgsfaktor Gefühl: Motivation braucht Hirn und Herz.
  • Gut gemacht statt gut gemeint: Strategisch richtig eingesetzt, wird Emotionalisierung zum roten Faden, der zum Ziel führt.
  • Langer Atem: Begeisterung ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf.
  • Vorbild Führungskraft: Echte Veränderungsbereitschaft fängt ganz oben an.

Wenn uns die Steinzeit in die Quere kommt

Kaum jemand steht Veränderungen von Natur aus völlig positiv gegenüber. Den meisten Menschen flössen sie Respekt, Unbehagen oder gar Angst ein – je nach persönlicher Veranlagung und Erfahrung. Der Grund liegt in unserer Geschichte. Evolutionsbiologisch sind wir darauf programmiert, uns an ein bestimmtes Umfeld zu gewöhnen und es für uns und unsere soziale Gruppe möglichst sicher einzurichten: eine sinnvolle Überlebensstrategie aus der Frühzeit des Menschen, die im 21. Jahrhundert manchen Change Prozess zum Scheitern bringt – jedenfalls dann, wenn man ihr nicht genügend Rechnung trägt. Denn je größer die inneren Vorbehalte gegenüber Veränderungen, desto ausgeprägter sind Widerstand und Vermeidungsstrategien.

Kopf und Herz gewinnen

Will man Mitarbeiter motivieren, den Weg der Veränderung mitzugehen, muss man nicht nur ihren Kopf, sondern auch ihr Herz gewinnen. Und das schafft man nicht mit einem Powerpoint-Vortrag – und sei er noch so perfekt. Sondern durch intelligente Emotionalisierung, und zwar von Anfang an. Eine Kick-off-Veranstaltung, an der selbstverständlich auch die Führungsebene teilnimmt, ist deshalb ein Muss und kann Wunder wirken – allerdings nur, wenn sie inhaltlich auf den anstehenden Veränderungsprozess einzahlt. Fehlt der nachvollziehbare Sinnzusammenhang, wird das Ganze nicht mehr als ein besserer Betriebsausflug, dessen Nutzen auf den reinen Spaßfaktor beschränkt bleibt.

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Gut gemacht statt gut gemeint

Jeder erfolgreiche Change Prozess braucht deshalb ein gutes Motto, das greif- und spürbar veranschaulicht, worum es dabei geht: keine bürokratischen Wortgebilde, keine Abkürzungen, die niemandem etwas sagen, sondern eine griffige Parole, die im Idealfall zum emotionalen roten Faden wird, der den gesamten Prozess vom ersten Tag bis zum erfolgreichen Abschluss begleitet. Den starken Auftakt bildet eine durchdachte, perfekt inszenierte Kick-off-Veranstaltung, die das Motto vorstellt und die Mitarbeiter emotional erfahren lässt, worum es geht: Sei es bei einer Geländerallye, einer gemeinsamen Bergbesteigung oder einer Schnitzeljagd per Boot – je nach Zielsetzung des Change Prozesses. Wird das Ganze professionell geplant und begleitet, gelingt der Transfer des Erlebten in den Unternehmensalltag – und der Anfang für einen gelingenden Change Prozess ist gemacht.

Emotionalisierung ist ein Langstreckenlauf

Damit dieser Ersteffekt aber mit der Zeit nicht verpufft, ist es wichtig, am Ball zu bleiben: Emotionalisierung ist keine Eintagsfliege. Über den gesamten Change Prozess braucht es immer wieder an strategisch richtigen Stellen solche Aha-Erlebnisse. Haben Führungskräfte und Mitarbeiter zum Beispiel für die nächsten fünf Jahre neue Ziele auf der Agenda, kennen den genauen Weg dorthin aber noch nicht, gilt es ein Szenario zu erschaffen, das diesen Prozess des Suchens und Findens begleitet. Auf dem Kick-off könnten die Teilnehmer etwa unter dem Motto „Navigator 2020“ mit Kompass oder GPS-Gerät auf unterschiedlichen Wegen zu vorgegebenen Zielen navigieren. Im laufenden Prozess wird diese Symbolik dann immer wieder aufgegriffen und in Workshops und Trainings physisch erlebt. Diese gemeinsamen Erfahrungen verbinden, motivieren und machen das Motto und damit den Sinn und Zweck des gesamten Prozesses hautnah und individuell erfahrbar – und tragen ganz nebenbei viel zu Teambildung und guter Zusammenarbeit bei.

Unterschätzer Erfolgsfaktor Mensch

Hier machen selbst Unternehmen, die viel Erfahrung mit Change Prozessen haben, oft einen gravierenden Fehler: Sie vernachlässigen den Erfolgsfaktor Mensch, weil sie ihn vor lauter Zahlen, Daten und Fakten gar nicht auf der Rechnung haben. Genau deshalb aber scheitern viele Change Prozesse oder bringen nicht das erhoffte Ergebnis. Das ist fatal. Denn ein fehlgeschlagener Change Prozess bedeutet nicht nur einen Rückschlag für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Sondern er stellt auch die Weichen, wie die Mitarbeiter zukünftig auf Veränderungen reagieren. Macht sich die Einstellung breit, „Veränderungsprozesse führen bei uns ja eh zu nichts“, hat das Unternehmen ein ernsthaftes Problem, das langfristig sein Überleben infrage stellt. Umso wichtiger ist es, anstehende Veränderungen und die Gründe dafür nicht nur rein kognitiv zu vermitteln. Denn echte Veränderungsbereitschaft ist eine Haltung. Und die kann man weder mit rationalen Argumenten erzeugen noch von oben anordnen. Man kann sie nur fördern, pflegen und kontinuierlich entwickeln.

Veränderung fängt bei der Führung an

Über eines sollten Sie sich dabei im Klaren sein: Change Prozesse stellen oft mehr auf den Kopf als ursprünglich geplant. Gerade grundlegende Veränderungen, die Ausrichtung und Kultur des Unternehmens betreffen – zum Beispiel weg von einer produktorientierten hin zu einer vertriebsorientierten Organisation – stellen oft auch die Führungskultur auf den Prüfstand. Denn ein grundlegender Wandel ist etwa mit einem starren, autoritären Führungsstil nicht möglich (mehr dazu lesen Sie im Beitrag „7 Tipps für eine gute Führungskultur“ vom 11. März). Hier braucht es nicht nur von den Mitarbeitern, sondern auch von den Führungskräften die Bereitschaft, sich von ganzem Herzen auf Neues einzulassen.

Ausblick: Gut aufgestellt in die Zukunft

Märkte verändern sich, neue Technologien oder der demografische Wandel stellen Gewohntes auf den Kopf und Bewährtes in Frage: Unternehmen befinden sich auch jenseits dezidierter Change Prozesse in einem Zustand permanenter Veränderung und Anpassung. Wie machen wir unsere Mannschaft fit für die Herausforderungen von morgen? Darum geht es im nächsten Beitrag am 26. Mai, diesmal zum Thema Personalentwicklung.

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In der Rubrik B4B Mensch & Unternehmen finden Sie Expertentipps und Praxiswissen rund um die Frage, was Mensch und Organisation gemeinsam erfolgreich macht.

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