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Interview mit Shimano-Importeur

Fahrradbranche profitiert von der Krise

Friedrichshafen, 11.08.09
Wer an Fahrradkomponenten denkt, denkt an den japanischen Anbieter Shimano. Und wer in der europäischen Fahrradbranche an Shimano denkt, denkt an die Firma Paul Lange & Co. Schon seit 1967 ist das Stuttgarter Unternehmen in Deutschland Generalimporteur der wohl bekanntesten Marke im Fahrradmarkt.
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Eurobike: Interview

Und seit 1989 der Eiserne Vorhang in Europa fiel, hat sich Paul Lange zu einem der wichtigsten Marktteilnehmer auch im europäischen Ausland entwickelt. Im Gespräch mit der EUROBIKE erklärt Geschäftsführer Bernhard Lange, der auch dem Branchenverband ZIV vorsteht, wie es der Fahrradbranche in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise geht. Zudem wirft der Shimano-Partner ein Licht auf die Rolle der EUROBIKE für die Fahrrad-Fachwelt.

EUROBIKE: Herr Lange, in den meisten Unternehmen in Deutschland ist gegenwärtig von kaum etwas anderem die Rede, als von der Wirtschaftskrise. Sind deren Auswirkungen auch in der Fahrradbranche zu spüren?

Bernhard Lange: Nein, die Auswirkungen sind in unserer Branche bisher nur sehr gering. Ein bisschen profitieren wir sogar davon. Viele Verbraucher sparen gegenwärtig, beispielsweise am Zweitwagen oder an fernen Urlaubszielen. Das führt im Gegenzug auch zu mehr Mobilität mit dem Fahrrad, sei es im täglichen Gebrauch oder in der Freizeit.

EUROBIKE: Hat die Wirtschaftskrise dem Fahrrad also erst zum Aufschwung verholfen?

Bernhard Lange: Nein, dieser Wandel in der Gesellschaft hat schon vor der Krise begonnen. Als Freizeitprodukt ist das Fahrrad schon seit geraumer Zeit sehr populär. Und in den letzten Jahren ist es nun auch als Verkehrsmittel gesellschaftsfähig geworden. Es ist das einzige Fahrzeug mit Null-Emission, das auf Kurzstrecken zudem schneller ist als die meisten anderen Verkehrsmittel. Sie finden in Deutschland inzwischen einige Städte mit einem Radverkehrsanteil von bis zu 25 Prozent. Sie finden Unternehmen, die Anreize für ihre Mitarbeiter schaffen, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. An eine solche Entwicklung war vor ein paar Jahren noch nicht zu denken.

EUROBIKE: Die Firma Paul Lange hat den Fahrradmarkt und dessen Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich mitgeprägt. Und das nicht nur in Deutschland: Auch im europäischen Ausland zählt Ihr Unternehmen zu den marktführenden Anbietern. Verraten Sie uns das Geheimnis Ihres Erfolgs?

Bernhard Lange: Unser Wahlspruch lautet: Chancen erkennen, nutzen und umsetzen. Das ist etwas, das ich von meinem Vater gelernt habe, der schon 1967 die Generalvertretung von Shimano für Deutschland übernommen hatte. Damals ahnte noch niemand, welche Bedeutung dieses Unternehmen für den Fahrradmarkt einst haben würde. Ich persönlich habe 1985 die ersten Geschäfte mit der tschechischen Fahrradindustrie angekurbelt. Meine Aufgabe war damals, die tschechische Nationalmannschaft für Shimano zu gewinnen, was gar nicht so einfach war. Ich ahnte aber danach, dass die Internationalisierung und hier insbesondere Osteuropa für uns große Chancen bietet. Als dann 1989 der Eiserne Vorhang fiel, haben wir unsere Aktivitäten rasch nach Tschechien, Ungarn, in die Ukraine und die Slowakei ausgeweitet, aber auch nach Österreich und Frankreich sowie in die Schweiz.

EUROBIKE: Sie haben also als Unternehmer die Nase in den richtigen Wind gehalten. Das war wohl auch 1991 der Fall, als Sie sich zusammen mit Shimano auf der damals neuen EUROBIKE präsentierten. Welche Rolle hat die EUROBIKE seitdem bei der Entwicklung Ihres Unternehmens gespielt?

Bernhard Lange: Die EUROBIKE ist für uns immer eine sehr wichtige Messe gewesen. Schon vom Start weg konnte sich die EUROBIKE als Leitmesse für das sportive Fahrradsegment etablieren. Die Messe Friedrichshafen hat seitdem vieles richtig gemacht und ist heute verdientermaßen die Heimat der weltweit führenden Fahrradmesse. Die EUROBIKE hat bislang nicht nur viele Impulse für unsere inländischen Aktivitäten geschaffen, sondern vor allem auch bei unserer Expansion in Europa viele wertvolle Kontakte ermöglicht. Wir erreichen dort inzwischen nicht nur die wichtigen Händler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, sondern auch aus dem gesamten europäischen Raum. Unsere europäischen Partner genießen zudem die Atmosphäre in Friedrichshafen. Das ist für viele Messebesucher wie ein kleiner Urlaub. Friedrichshafen ist ein ausgesprochen angenehmer Standort in einem sehr reizvollen Umfeld und ist vielleicht gerade deshalb für unsere Branche ideal geeignet.

EUROBIKE: Eine letzte Frage: Glauben Sie, dass das öffentliche Interesse am Fahrrad nur ein kurzes Strohfeuer ist? Oder wird es der Branche gelingen, sich aus Ihrem Nischendasein zu befreien?

Bernhard Lange: Ich glaube, das ist schon längst der Fall. Das Fahrrad ist heute kein Nischenprodukt mehr. Bei Velo-City, einer europäischen Fachkonferenz für Verkehrsplaner und Fahrrad-Verbänden, hat die Europäische Kommission beispielsweise gerade 600 Millionen Euro für die Förderung des Radverkehrs zugesagt. Das Fahrrad steht also in der Verkehrspolitik und im Städtebau bereits im Mittelpunkt. In der Tourismusbranche spricht man ebenfalls davon, dass Radreisen boomen. Noch vor fünf bis zehn Jahren wurde man dafür belächelt, dass man in der Fahrradindustrie tätig ist. Heute wird man darum eher beneidet.

Weitere Informationen unter: www.eurobike-show.de.


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