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Kögel Fahrzeugwerk

Kögel leidet unter Verhandlungschaos der Eigentümer

Burtenbach/Jettingen, 16.02.10
Wegen Unstimmigkeiten bei der Grundstücks- und Gebäudenutzung, kommt es zu einer Teil-Verlagerung der Kögel-Werke nach Gersthofen. Gewerkschaften und Mitarbeiter sehen Schuld bei den Altgesellschaftern.

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Humbaur / Kögel
Die Stimmung in Burtenbach ist weiterhin gedrückt. Bei dem Fahrzeugwerk Kögel ist immer noch nicht klar, wo zukünftig produziert werden soll. Grund dafür ist das Verhandlungspoker zwischen Altgesellschaftern, Banken und dem neuen Investor Humbaur in Gersthofen. Nach einer ersten Insolvenz 2004 hatten die Gebrüder Metternich die Firma aufgekauft, mussten allerdings bereits 2009 erneut Insolvenz anmelden. Daraufhin wurden die Gebäude vertraglich an die Eigentümerbank Fortis Lease übergeben. Dies hat nun zur Folge, dass – kurz vor Auslaufen des Mietvertrags– das Veto-Recht der Altgesellschafter Metternich einer schnellen Einigung im Wege steht. Ursprünglich war ein Rückkauf oder eine langfristige Miete durch die neugegründete Kögel Trailer GmbH & Co. KG vorgesehen. Doch nun kommen die Verhandlungen ins Stocken und selbst der neue Investor kann und will das Produktionsgebäude nicht übernehmen.

Metternich wehrt sich gegen Vorwürfe

Ganz anders sieht das der Altgesellschafter Hieronymus Graf Wolff Metternich. Humbaur habe bereits bei der Übernahme angekündigt den Mietvertrag für die Kögel Werke nicht verlängern zu wollen. Stattdessen hätte man mit dem Bau eines 30-Millionen-Werkes geliebäugelt. Unter anderem mit der Begründung, der Standort sei zu groß. Gewerkschaft und Betriebsrat, seien laut Aussage der Schöller-Metternich-Beteiligungsgesellschaft (SMB) damals von dem Umzugsplänen in Kenntnis gesetzt worden und hätten trotzdem der Übernahme zugestimmt. Trotz allem sind die Altgesellschafter nach eigenen Angaben weiterhin bereit, Gespräche mit Humbaur zu führen.

Standort-Karussell

Die Produktion von Kögel soll weiterlaufen, setzt aber eine Zerstückelung des Werks voraus. Die Abteilungen Technik, Verwaltung und Vertrieb sind bereits in die Firmenzentrale von Humbaur nach Gersthofen umgezogen, die Endmontage soll folgen. Bleibt die Suche nach Hallen für die Schweißerei und Lackieranlage, ganz zu schweigen von einem großen neuen Werk, das alle Produktionsabläufe wieder vereinen könnte. Für Lackieraufträge könnten in Zukunft andere Dienstleister in Betracht gezogen werden.

Wirtschaftsstandort in Gefahr

Nicht nur das möglicherweise notwendige Outsourcing von Produktionsabläufen macht der Belegschaft Sorgen. Da bereits nach der Insolvenz nur 441 von ehemals 763 Beschäftigten übernommen werden konnten, wäre dies ein herber Schlag für die Region. Die Auswirkungen auf Zulieferfirmen und Dienstleister wird auf 450 gefährdete Stellen geschätzt.

Proteste weiten sich aus

Auf einer von der IG-Metall initiierten Kundgebung in Jettingen erklärten sich am Wochenende etwa 600 Angehörige, Bürger und Politiker mit der Kögel-Belegschaft solidarisch. Man ist sich einig, nicht unter dem Verhandlungskampf von Eigentümern und Banken leiden zu wollen. Nun fordern die Beschäftigten Unterstützung seitens der Politik und berufen sich auf den Grundsatz, dass Eigentum auch zur Verantwortung für das Gemeinwohl verpflichtet.
Da sich nach wie vor keine Einigung in Punkto Mietvertrag abzeichnet, rufen die Gewerkschaften zu einer zweiten Protestkundgebung in Pullach auf. Dort soll direkt am Sitz der SMB für eine schnelle Lösung demonstriert werden. Anschließend will man vor dem Wirtschaftsministerium in München öffentlich auf die Standort-Diskussion aufmerksam machen.

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